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München - Der heiß erwartete Hauptkampf von Hell in a Cell lässt viele WWE-Fans enttäuscht zurück. SPORT1 erklärt, was bei Seth Rollins vs. The Fiend schief lief.

Die wichtigste Woche seit vielen Jahren liegt hinter der Wrestling-Liga WWE - und sie machte ihren Fans nicht nur Freude.

Zwar lieferte die Promotion ereignisreiche "Saisonpremieren" der TV-Shows RAW und SmackDown mit Aufsehenden erregenden Auftritten von Dwayne "The Rock" Johnson, Box-Star Tyson Fury und dem früheren UFC-Schwergewichts-Champ Cain Velasquez.

Zugleich allerdings gab es aus verschiedenen Gründen auch Zuschauer-Unmut - unter anderem wegen der fragwürdigen Demontage des bisherigen WWE-Champions Kofi Kingston durch Brock Lesnar und der nicht eingelösten Ankündigung weiterer Legenden wie Stone Cold Steve Austin, The Undertaker und Sting bei SmackDown.

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Und dann enttäuschte ausgerechnet das heiß erwartete Finale der Mega-Woche viele Erwartungen: Der in Rotlicht getauchte Hauptkampf von WWE Hell in a Cell 2019 zwischen Universal Champion Seth Rollins und The Fiend erntete zahlreiche vernichtende Kritiken, selbst Hall-of-Famer X-Pac rang vor laufender WWE-Kamera um Fassung.

Was genau lief schief und führte dazu, dass die Fans vor Ort am Ende auf die Barrikaden gingen, nach Rückerstattung des Eintrittsgelds und der Konkurrenzliga AEW riefen? SPORT1 analysiert, mit welchen Fehlentscheidungen WWE ihre Anhänger enttäuschte.

Fehler 1 bei WWE Hell in a Cell: Die Ansetzung

Schon im Vorfeld der Show wunderten sich viele Fans, ob sich WWE nicht schon mit der bloßen Ansetzung des Matches in eine Falle manövriert hat.

Den Fiend, das neue, unheimliche Alter Ego von Bray Wyatt, gleich in dessen zweiten großem Match um den Titel antreten zu lassen, war ein Risiko - zumal in einem Hell in a Cell Match, das normalerweise nicht am Anfang großer Fehden steht, sondern ihre eindeutige Auflösung am Ende darstellt.

Es war zu erahnen, dass WWE diese Auflösung hier eigentlich noch nicht bieten wollte: Eine klare Niederlage des Fiend hätte den phänomenalen Hype zerstört und keinen Sinn ergeben. Zu einem klaren Sieg und damit einer Schwächung Rollins' mochte sich Ligachef Vince McMahon aber auch nicht durchringen. Weshalb die Frage zurückbleibt: Warum dann überhaupt so ein Match zu diesem Zeitpunkt, wenn man am Ende doch Angst vor der eigenen Courage hat?

Fehler 2: Der Aufbau von Seth Rollins

So fabelhaft die Auftritte des zerstörerischen Fiend vor Hell in a Cell inszeniert worden waren: Die Darstellung von Gegenspieler Rollins hatte Schwächen.

Der "Beastslayer" wirkte zum einen etwas zu verängstigt vor dem Fiend, zum anderen schuf WWE generell eine für Rollins undankbare Gemengelage: Eigentlich ist das Match eine klassische Gut-gegen-Böse-Konstellation - der Fiend als verhasster "Heel“, Rollins als "Babyface", das Sympathie wecken soll.

Wissenswertes zum Thema Wrestling

Stattdessen ist aber eine andere Dynamik zu beobachten, ähnlich wie einst beim frühen Undertaker in den neunziger Jahren. Auch wenn der Fiend als böse Horror-Gestalt angelegt ist, ist er der frischere und bessere Charakter, weswegen ihn am Sonntag viele Fans bejubelten und Rollins ausbuhten - für den Fiend kein Schaden, für Rollins aber durchaus.

In der Vergangenheit ist es WWE zwar öfters gelungen, sich an diese veränderte Dynamik anzupassen, diesmal allerdings bekam man sie nicht sinnvoll unter Kontrolle: Die Konzeption des Kampfs schien mit seiner klassischen Rollenverteilung für ein anderes Publikum gemacht.

Fehler 3: Die Übertreibung der Fiend-Inszenierung

Der Undertaker, ein offensichtliches und erfolgreiches Vorbild des Fiend-Charakters, hätte wohl sein Veto eingelegt, wäre ihm der Plan für das Match vorgelegt worden.

"Ich glaube fest daran, dass weniger mehr ist", umschrieb die Legende in einem "Out-of-Character"-Interview im vergangenen Jahr ihr Erfolgsrezept. Bei Hell in a Cell tat WWE genau das Gegenteil.

Getreu dem Motto "Viel hilft viel" ließ man Rollins um die zehnmal seinen Stomp-Finisher gegen den Fiend zeigen, ohne dass er zum Sieg führte. Es sollte die mystische Macht des Fiend demonstrieren, aber die Dosierung des Effekts stimmte nicht: Die zu häufige Wiederholung hatte eine abstumpfende Wirkung, WWE verlor durch die Überzeichnung die Fans, statt sie fesseln.

Dass Rollins nach dem eigentlichen Match noch das Kunstblut aus dem Mund strömte, als er zum zweiten Mal in die Mandible Claw des Fiend geriet, wirkte zu diesem Zeitpunkt auf viele auch eher lächerlich als beängstigend (Lesen Sie hier die unglaubliche Geschichte, wie ein berühmter Mordfall zur Erfindung des Finishers von "The Fiend" Bray Wyatt inspirierte).

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Fehler 4: Der Abbruch

Das vor allem vom Undertaker und Mick Foley sowie auch Triple H geprägte Mythos der Hell-in-a-Cell-Matches wurde von WWE in den vergangenen beiden Jahrzehnten eigentlich immer sehr pfleglich behandelt - von einigen Aussetzern in der frühen Attitude Era abgesehen.

Nun endete schon zum zweiten Mal in Folge der Hauptkampf der gleichnamigen Veranstaltung ohne klares Ergebnis (2018 hatte Brock Lesnar das Duell zwischen Roman Reigns und Braun Strowman gesprengt).

An sich ist die innere Story-Logik, dass ein WWE-Ringrichter auch einen solchen Kampf abbrechen kann, wenn die Gesundheit eines Kämpfers vermeintlich gefährdet ist, zwar nicht unschlüssig. Der maßgebliche Faktor ist aber letztlich die Erwartungshaltung der Fans, die gewohnt sind, dass ihnen in einem Hell-in-a-Cell-Match ein zufriedenstellendes Ende geliefert wird.

WWE war sich dessen auch durchaus bewusst, weswegen man die Zuschauer mit einem Effektfeuerwerk vor und nach dem Finale für das unklare Matchende zu entschädigen versuchte. Genau das hat sich aber eben als absolute Fehlzündung erwiesen.

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