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Eine Großmacht des Winters ist schwer erschüttert

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Eine Großmacht des Winters ist schwer erschüttert

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Eine Großmacht ist schwer erschüttert

Bröckelt in der neuen Saison die Vormachtstellung des norwegischen Biathlon? Um mehrere Stars und Talenten gibt es Sorgen - auch wegen Corona-Problemen verschiedener Art.
Winter mit Olympischen Spielen sind traditionell ein guter Zeitpunkt, um die Karriere zu beenden. Im Biathlon hören nicht nur Lesser, Hammerschmidt und Horchler auf, sondern ingesamt gleich 31 Sportler.
Sebastian Mühlenhof
Sebastian Mühlenhof

In rund drei Wochen ist es so weit: Die neue Biathlon-Saison beginnt, Denise Herrmann-Wick, Benedikt Doll und Co. starten im finnischen Kontiolahti in den Winter. (NEWS: Die hochzeitswillige Biathlon-Familie)

Während die deutschen Skijägerinnen und Skijäger wieder näher in Richtung Weltspitze wollen, will Norwegen seine Vormachtstellung untermauern. (NEWS: Alles zum Biathlon)

Doch so kurz vor dem Saisonstart plagen die Top-Nation einige Probleme. Es gibt dicke Fragezeichen um Superstar Johannes Thingnes Bö - und auch zwei weibliche Vorzeige-Athletinnen.

SPORT1 blickt auf die größten Problemfelder bei Norwegens Skijägern.

Johannes Thingnes Bö: Wie fit ist er nach Pause?

Nach dem Rücktritt von Martin Fourcade im März 2020 deutete alles daraufhin, dass in Johannes Thingnes Bö der nächste große Dominator parat steht. Diese Erwartung hat sich bisher noch nicht erfüllt.

Zwar gewann er den Gesamtweltcup in der Saison 2020/2021, doch in der vergangenen Saison blieb er komplett ohne Kristallkugel. Ein Grund dafür ist auch sein frühes Saisonende. Nach den Olympischen Winterspielen, bei denen er mit vier Goldmedaillen seine Klasse unter Beweis stellte, wollte er lieber Zeit mit seiner Familie verbringen.

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Erst im Mai begann er wieder, das Gewehr in die Hand zu nehmen. „Das war die längste Pause vom Biathlon, die ich jemals hatte“, sagte er jüngst auf der Homepage des Weltverbands IBU.

Somit startete der 29-Jährige später als seine Konkurrenz in die Vorbereitung, zumal er fast drei Monate lang nicht professionell trainiert hatte. Dementsprechend meinte er auch ehrlich, dass „ich nicht in meiner Bestform“ bin. Dennoch fühlt er sich selbst schnell genug, um mit Gesamtweltcup-Sieger Quentin Fillon Maillet und Co. mitzuhalten.

Viel mehr Sorgen muss sich Bö hingegen um sein Schießen machen. Seine Trefferquote ist in den vergangen zwei Saisons schwächer geworden. Diese Schwäche will er nun ausbügeln. „Es ist alles, woran ich zurzeit denken kann“, erklärte er.

Eine wichtige Änderung hat er bereits vorgenommen: Er kehrt zu seiner alten Waffe zurück, mit der wieder ein gutes Gefühl hat. „Ich habe damit recht gut geschossen“, schilderte er.

In einem teaminternen Wettkampf zeigte er bereits eine überraschend starke Frühform. Bei einem Sprintrennen wurde er trotz zweier Schießfehler Erster mit 33 Sekunden Vorsprung vor dem zweitplatzieren Johannes Dale. „Wenn Johannes noch besser wird, glaube ich nicht, dass irgendeiner von uns eine Chance hat“, meinte im Anschluss Vetle Sjaastad Christiansen.

Fraglich ist aber, ob er die Trainingsleistung auch im Wettkampf abrufen kann. Immerhin: Das norwegische Team hat mit Sturla Holm Laegreid und Christiansen zwei weitere heiße Eisen im Feuer. (SERVICE: Alle Weltcupstände)

Sivert Bakken droht die Saison zu verpassen

Ein anderer norwegischer Youngster wird hingegen wohl die komplette Saison ausfallen: Sivert Bakken kämpft nämlich mit den Folgen einer langwierigen Corona-Impfreaktion.

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Ende Mai besuchte er einen Arzt, denn „der Körper fühlte sich müde an“, erläuterte er dem norwegischen Sender TV2. Dann der Schock: Bei ihm wird eine Herzmuskel-Entzündung diagnostiziert. Ein strenges Sport-Verbot ist die Folge.

Bei der Ursachensuche kamen die Verantwortlichen dann zum Schluss, dass die Impfung ursächlich für die Beschwerden ist. „Er hatte im gleichen Zeitraum keine anderen Infektionskrankheiten. Der Corona-Impfstoff ist das Einzige, was er getan hat, was möglicherweise diese Art von Herzentzündung verursachen könnte“, meinte Teamarzt Ola Berger.

Bitter: Die Impfung sollte einen Fall wie den von Bakken eigentlich abwenden: Gefährliche Herzmuskelentzündungen sind auch eine Folge von Corona-Erkrankungen, statistisch gesehen auch eine häufigere - Bakkens Landsmann Rune Jarstein, der früheren Torhüter von Hertha BSC, ist einer der prominenten Fälle im Sport. In Bakkens Fall wurde stattdessen die Impfung zur Ursache der Erkrankung, seine Comeback-Aussichten sind für diesen Winter ungewiss.

Tiril Eckhoff und die Folgen einer Party

Vergeblich im Starterfeld wird man auch Tiril Eckhoff suchen. Die Star-Biathletin verkündete Anfang Oktober, dass sie bis auf Weiteres eine Auszeit vom Sport nimmt - auch in ihrem Fall spielt Corona eine Rolle.

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Auf einer Party in Oslo infizierte sie sich, wie zahlreiche andere Athletinnen und Athleten, mit dem Corona-Virus. Nun leidet die 32-Jährige offenbar unter dem Longcovid-Syndrom: Sie konnte in den folgenden Wochen und Monaten kaum schlafen und hatte zudem Motivationsprobleme. Infolgedessen dachte sie sogar über ein Karriereende nach. (NEWS: Große Sorgen um Biathlon-Star)

„Jetzt zählt nicht nur der Sport, sondern dass es Tiril im normalen Leben gut geht“, erklärte ihr Trainer Patrick Oberegger vor wenigen Wochen. Ihre Rückkehr ins norwegische Team ist also mehr als ungewiss.

Bangen um Marte Olsbu Röiseland

Auch bei der zweiten Grand Dame des norwegischen Biathlons, Marte Olsbu Röiseland, gab es zuletzt viele Negativschlagzeilen.

Wie Eckhoff hatte auch sie mit den Folgen der mit ihr zugezogenen Corona-Infektion zu kämpfen. „Ich war müde, hatte Kopfschmerzen und habe die Nachwehen gespürt“, schilderte sie dem norwegischen Radiosender NRK. Mittlerweile ist sie aber „wieder da, wo ich war“, sagte sie jüngst bei TV2.

Dennoch dachte auch die amtierende Gesamtweltcupsiegerin darüber nach, ihre Karriere zu beenden. Doch die 31-Jährige entschied sich weiterzumachen - nicht zuletzt wegen ihrem Ehemann Sverre, der nun das deutsche Team trainiert.

Wenige Wochen vor dem Saisonstart gibt es dann aber den nächsten Schock: Bei der dreifachen Olympiasiegerin von Peking wurde eine Gürtelrose-Infektion festgestellt. Als Ausfallszeit stehen drei Wochen im Raum.

Das kommt natürlich zur Unzeit, denn so konnte sie wie Eckhoff und Tarjei Bö, der jüngst Vater geworden ist, nicht zum Trainingslager nach Oberhof reisen, wo im Februar die Weltmeisterschaft stattfindet.

Zudem teilte der norwegische Verband am Mittwoch mit, dass auch Ingrid Landmark Tandrevold zumindest den inoffiziellen Saisonstart in Sjusoen verpassen wird. „Im Idealfall wäre ich am Wochenende gerne an den Start gegangen, aber ich muss Geduld haben und noch ein paar Wochen warten“, erklärte die dreimalige Weltmeisterin ihr Fehlen.

Norwegen mit Chaos bei WM-Generalprobe

Doch nicht nur personell, auch organisatorisch herrscht schon vor dem Weltcup-Start Chaos im norwegischen Biathlon. Entgegen vorherigen Meldungen soll die Generalprobe, die auch von vielen internationalen Athleten genutzt wird, nun doch in Natrudstilen und Sjusjoen stattfinden - wie auch schon in den vorherigen Jahren. (NEWS: Wirbel um Biathlon-Generalprobe)

Zuvor hatte der Verband selbst noch vermeldet, die Rennen des sogenannten „Sesongstarts“ aufgrund von akutem Schneemangel nach Lillehammer zu verlegen. (SERVICE: Biathlon-Kalender)

Nun aber die Kehrtwende, die gemeinsam mit dem norwegischen Ski-Verband, einem Hersteller von künstlichem Schnee, und den Verantwortlichen in Lillehammer entschieden wurde.

Es ist gerade wie verhext für die Biathlon-Großmacht Norwegen, an allen Ecken und Enden.