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Berlin und München - Die Ära Jürgen Klopp beim BVB ist Geschichte, jetzt kommt Thomas Tuchel. Auf ihn warten einige knifflige Aufgaben. SPORT1 zeigt, welche das sind.

Die Hinweisschilder konnten am Sonntag ignoriert werden in der Dortmunder Innenstadt.

Großflächige Straßensperrungen und Parkverbote waren in den letzten Tagen angekündigt worden - alles in Erwartung eines Jubelkorsos rund um den Borsigplatz nach dem erhofften Pokaltriumph in Berlin.

Aus dem wurde bekanntlich nichts. Die Ära von Trainer Jürgen Klopp endete zwar mit emotionalen Abschiedsreden, aber ohne den letzten großen Titel.

Statt der Parkverbots- könnten sie nun Baustellenschilder in Dortmund aufstellen. Denn die deutliche Niederlage im Finale gegen den VfL Wolfsburg hat auch den Blick darauf freigegeben, wo die größten Aufgaben für die Verantwortlichen und den neuen Trainer Thomas Tuchel liegen.

SPORT1 blickt auf die Baustellen des BVB:

Der neue Trainer:

Sieben Jahre Klopp, sieben Jahre echte Gefühle in Schwarz-Gelb. Für Thomas Tuchel gilt es, große Fußstapfen auszufüllen. "Wenn es etwas Positives gibt, dann, dass wir durch den nicht gewonnenen Titel die Messlatte nicht zu hoch gelegt haben", sagte Klopp am Samstagabend.

Hoch ist sie aber trotzdem. Auch, weil sich Verein und Fans auf einen anderen Typen als Trainer einstellen müssen. Tuchel ist ebenfalls extrem ehrgeizig und an der Seitenlinie emotional. Ein Kumpeltyp wie Klopp ist er aber nicht.

Bislang hielt sich Tuchel im Hintergrund. Mitte kommender Woche wird er aber wahrscheinlich in Dortmund vorgestellt. Dann könnte er auch erstmals etwas zu seinen personellen Planungen sagen - denn hier gibt es einige offene Fragen.

Der Torwart:

Im Pokalfinale gab Klopp Mitch Langerak den Vorzug vor Roman Weidenfeller. Eine Entscheidung, die nach den Entwicklungen der letzten Wochen nicht mehr überraschend war.

Doch wie geht es weiter? Dass Weidenfeller bis 2016 bleibt, wenn er hinter Langerak auf der Bank sitzt, ist fraglich. Über einen Abschied, womöglich sogar als Nummer zwei zum FC Bayern, wird spekuliert.

Doch taugt Langerak zum Stammtorwart? Bis zum Finale hatte er nie ein Pokalspiel verloren.

Bei den ersten beiden Wolfsburger Toren machte er aber zumindest eine unglückliche Figur - auch wenn Klopp ihn beim 1:1 von jeder Schuld freisprach.

Für eine neue, junge Nummer 1 müsste der BVB recht tief in die Tasche greifen, angesichts der fehlenden Champions-League-Millionen drückt der Schuh an anderen Stellen mehr.

Gut möglich, dass es mit der Doppelspitze Langerak/Weidenfeller für ein Jahr weitergeht und 2016 die große Lösung angegangen wird.

Die Abwehr:

Sicherlich die größte Baustelle derzeit beim BVB. Das Innenverteidiger-Duo Mats Hummels und Neven Subotic ist zwar eingespielt, zeigte in dieser Saison aber erstaunlich viele Abstimmungsschwierigkeiten.

Beide werden bleiben, offen ist, ob das auch für Matthias Ginter gilt. Der Weltmeister konnte sich im ersten Jahr in Dortmund nicht durchsetzen, wird unter anderem mit Mönchengladbach in Verbindung gebracht.

Dortmund wäre allerdings gut beraten, ihn zu behalten, um den Druck auf die Etablierten zu erhöhen.

Noch problematischer ist es auf den Außenbahnen. Gegen Wolfsburg hatte Marcel Schmelzer große Not, ließ sich vor dem 1:3 durch Perisic ausspielen wie ein Trainingshütchen.

Ist Lukasz Piszczek für rechts dauerhaft fit, könnte Erik Durm auf die linke Seite zurückkehren. An Backups fehlt es dann trotzdem noch.

Zugang Gonzalo Castro wäre eine hervorragende Alternative, aber der sieht seine Position woanders - und wird da auch gebraucht.

Das Mittelfeld

Nämlich in der Zentrale des Spiels. Die Doppel-Sechs aus dem Pokalfinale wird es so nicht mehr geben. Sebastian Kehl hat seine Karriere beendet, Ilkay Gündogan wird den Verein verlassen.

Für ihn ist Castro eingeplant, hinzu kommen Sven Bender und Nuri Sahin für die Schlüsselposition. Eine zusätzliche Kraft würde in diesem Bereich also nicht schaden.

Wer das sein könnte, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen. Tuchel soll großes Interesse an Ex-Schützling Johannes Geis vom FSV Mainz 05 haben.

Der würde den BVB aber wohl auch eine zweistellige Millionensumme kosten. Geld, das erstmal reinkommen muss.

Interessant wäre deshalb womöglich eine andere Option: Nach Informationen der Sport Bild soll es zwischen dem BVB und dem FC Bayern zu Gesprächen über ein Tauschgeschäft zwischen Gündogan und Pierre-Emile Hojbjerg kommen.

Der junge Däne überzeugte in seiner Leihzeit beim FC Augsburg, ist jetzt aber zurück bei den Münchnern.

Im offensiven Mittelfeld muss sich Tuchel wenig Gedanken machen. Dank der ansteigenden Formkurven von Shinji Kagawa und Henrikh Mkhitaryan ist der BVB hier weiter exzellent besetzt.

Der Sturm

Pierre-Emerick Aubameyang hat mit 25 Pflichtspieltreffern eine ordentliche Saison hingelegt. Findet Marco Reus aus dem Mittelfeld zu alter Abschlussstärke zurück, würde die Dortmunder Offensive höchsten Ansprüchen genügen.

Bleibt die Frage, ob Tuchel einen der beiden Transferzugänge aus dem letzten Sommer, Adrian Ramos und Ciro Immobile, ziehen lassen will. Ramos wollte Tuchel im Jahr 2012 schon mal als Trainer zu Mainz 05 lotsen.

Der Transfer scheiterte damals knapp, doch die Qualitäten des Kolumbianers scheint Tuchel zu schätzen.

Bleibt Immobile, der angeblich bei gleich mehreren italienischen Top-Klubs aus dem Wunschzettel stehen soll. Für ihn könnte der BVB wohl eine ordentliche Ablösesumme erlösen.

Geld, das gut gebraucht werden kann, um andere Baustellen zu schließen.

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