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WM 2022: "Eine Farce" - Fanvertreter mit deutlicher Kritik an FIFA und DFB

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WM 2022: "Eine Farce" - Fanvertreter mit deutlicher Kritik an FIFA und DFB

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Fanvertreter watscht Verbände ab

Fanvertreter watscht Verbände ab

Die Weltmeisterschaft in Katar steht schon lange in der Kritik. Ein Fanvertreter spricht nun Klartext.
Die Weltmeisterschaft in Katar steht unter anderem aufgrund von Menschenrechtsverletzungen massiv in der Kritik. Wir von SPORT1 berichten als Sportsender von den sportlichen Geschehnissen dieser WM, sehen uns aber genauso in der Verantwortung, ein Bewusstsein für die Situation vor Ort in Katar zu schaffen.
Christopher Michel
Christopher Michel

Die Weltmeisterschaft 2022 in Katar wird immer kritischer gesehen. Fanvertreter Dario Minden hatte schon vor Turnierbeginn große Befürchtungen - und sieht diese sogar noch übertroffen. Nun hat er deutliche Worte gefunden.

Dario Minden, zweiter Vorstand des Bündnisses „Unsere Kurve e.V. Frankfurt“, hatte bereits bei seiner bemerkenswerten Rede Ende September beim Menschenrechtskongress auf dem DFB-Campus, mit großen Problemen rund um die WM 2022 in Katar gerechnet („Werde mir keine Minute ansehen“).

Der Fanvertreter sagte bei SPORT1 bereits vor dem Start des Turniers: „Die Weltmeisterschaft in Katar ist ja nicht nur ein Nationalmannschaftsthema, sie ist der Tiefpunkt einer verheerenden Entwicklung der Skrupellosigkeit in unserem Sport.“

Minden kritisiert FIFA: „Verbessern höchstens Sammlung an Luxusuhren“

Seit einigen Tagen schon überschlagen sich die Ereignisse im Wüstenstaat.

Minden fand dafür im Gespräch mit SPORT1 klare Worte: „Es zeigt sich, wie inhaltsleer all die frommen Wünsche waren, die immer meinten, es sei richtig, dort mitzuspielen, der Fußball verändere die Welt zum Positiven. Mit diesem Spitzenpersonal verbessert die FIFA höchstens die Sammlung an Luxusuhren für so manchen Profiteur des schmutzigen Geschäfts, sonst nix!“

„Das ist alles so eine Farce“

In Katar rumort es an allen Ecken und Enden. Beinahe stündlich gibt es neue Meldungen über Vorfälle. SPORT1-Chefreporter Patrick Berger etwa berichtete von einer Erfahrung vor Ort, als das Drehen von Schnittbildern zunächst unterbunden wurde: „Die Polizei hat uns festgehalten. Für fünf oder sechs Minuten. Wir wussten nicht so recht, was hier los ist und was passiert. Die waren auch ein bisschen rüder im Umgang mit uns.“

SPORT1 Chefreporter Patrick Berger gibt Einblicke über die Berichterstattung in Katar und einen Polizeieinsatz.
02:01
WM-Doppelpass: SPORT1 Chefreporter gibt Einblicke: So ist es in Katar

Eine solche Vielzahl an Ereignissen hatte auch Minden zuvor nicht erahnen können: „Das ganze Turnier, Gianni Infantinos Rede, die Nummer mit den Binden jetzt, das ist alles so eine Farce. Dass es eine ganz üble Sache wird, das war zu erwarten, aber welche grotesken Details da im Einzelnen passieren, das kann man sich im Vorhinein nicht ausmalen.“

Rewe hat seine Kooperation mit dem DFB bereits beendet

Im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stehen andere Themen. Minden ließen vor allem die Diskussionen rund um die Kapitänsbinde fassungslos zurück - und kritisierte den DFB scharf: „Vor einer eventuell möglichen Gelben Karte einzuknicken, das ist schon ein Riesen-Skandal.“

Der Rewe-Konzern hat seine Kooperation mit dem DFB mit sofortiger Wirkung beendet (REWE beendet Partnerschaft mit DFB wegen One-Love-Debatte). Dies sei, so Minden „ein gutes Zeichen“.

Das „böse Treiben“ der FIFA komme peu à peu auch in den Chefetagen der großen Sponsoren an: „Und wenn es dem DFB dann nicht gelingt, sich auch mal auf die Hinterbeine zu stellen gegen diese FIFA, dann sind platzende Sponsorendeals die Konsequenz. Gut so!“

Deshalb sieht Minden eine Trennung von Fußball und Politik als problematisch an

Auch die kritische gesellschaftspolitische Berichterstattung des ZDF sei richtig und wichtig. Kritiker, die eine Trennung von Fußball und Politik fordern, würden zu kurz denken. (NEWS: Alles Wichtige zur WM)

Minden nannte zwei Gründe: „Katar hat diese WM aus politischen Gründen gekauft, die Herrscherfamilie verfolgt damit ihre politischen Ziele, nur deswegen geben sie so viel Geld aus für die ganze Show. Sie sorgen dafür, dass dieses Turnier noch viel politischer ist, als es Sport ohne hin schon ist.“

Minden weiter: „Wenn es eine Gruppe gibt, die sagt: ‚Wir lieben Menschen des gleichen Geschlechts, aber das sollte eigentlich egal sein. Wir wollen nur nicht eingesperrt und gefoltert werden deswegen, sondern wie alle andern auch in der Gesellschaft teilhaben‘. Und es dann eine andere Gruppe gibt, die sagt: ‚Nix da, ihr habt ‚nen geistigen Schaden, niemals werden wir euch akzeptieren und teilhaben lassen‘. Welche der beiden Gruppen macht dann ein Politikum aus der sexuellen Identität der Menschen?!“

„... dann spielt man das Spiel der Unterdrücker“

Die Antwort gab der Fanvertreter selbst: „Nicht die Unterdrückten sind schuld, dass wir so viel über Politik nachdenken müssen beim Sport, sondern die Unterdrücker. Und wenn man dann so tut, also solle man da gar nicht drüber reden, weil das ja getrennt werden müsse: dann spielt man leider das Spiel der Unterdrücker.“

Die Kritik am skandalträchtigen Turnier an Katar – sie wird anhalten.