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München - Olympia-Gold im Ringen, Sensations-Karriere bei WWE: Kurt Angle erlebte als Athlet große Erfolge. In einem Interview berichtet er von den Schattenseiten.

Bei Olympia 1996 in Atlanta gewann er Gold im Ringen. Nach seinem Wechsel zum Wrestling legte er dort ebenfalls eine Traumkarriere hin.

Weniger als ein Jahr nach seinem Debüt stieg Kurt Angle bei WWE zum World Champion auf, durfte die Megastars Dwayne "The Rock" Johnson, Stone Cold Steve Austin und Hulk Hogan besiegen - allesamt sogar durch Aufgabe in seinem berühmten Finisher, dem Ankle Lock.

Seine Klassiker gegen Brock Lesnar, Shawn Michaels, Chris Benoit, den Undertaker oder auch Shane McMahon gehören zum Besten, was je im Ring zu sehen war. Sein Show- und Comedy-Talent, mit dem er die Rolle des von sich selbst eingenommenen Überathleten ausfüllte, machten ihn zudem zu einem legendären Unterhalter.

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Doch Angles Erfolgsgeschichte hatte eine Schattenseite: In einem Interview mit Weggefährte Austin berichtet Angle offenherzig von seinem jahrelangen Alkohol- und Drogensucht, die ihn fast das Leben gekostet hätte.

Kurt Angle: "Ich geriet völlig außer Kontrolle"

"Die Verletzungen nahmen überhand. Vor allem der Nacken, aber auch das Knie, die Leiste, der Rücken, die Kniesehne. Jede Woche war etwas", erinnert sich der heute 51 Jahre alte Angle bei den "Broken Skull Sessions" auf dem Streaming-Kanal WWE Network: "Ich habe mit Schmerzmitteln angefangen. Zwei haben nicht funktioniert, also nahm ich vier, dann acht, immer mehr und immer mehr."

Der für seinen intensiven Ringstil und seinen manischen Ehrgeiz bekannte "Olympic Hero" geriet in einen Teufelskreis: Immer wieder oft schwere Verletzungen, immer wieder der Versuch, sie zu betäuben, um den stressigen WWE-Tourplan mit weit über 100 Matches pro Jahr durchzustehen.

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"Ich nahm 20 Percacet in der Nacht, Xanax, Soma", erinnert sich Angle. Ein Zeichen für den bedenklichen Zustand, in dem er damals war: Immer wieder hätte er Ligaboss Vince McMahon Textnachrichten geschickt, an die er sich später nicht mehr erinnern hätte können.

"Es war damals einfach, an Pillen zu kommen", erklärt Angle: "Man brauchte einen Arzt, ein Rezept, nicht mehr. Ich geriet völlig außer Kontrolle."

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Bruch mit WWE 2006

2006 kam es zum Bruch mit WWE, wobei auch persönliche Befindlichkeiten eine Rolle spielten.

Angle hätte bemerkt, dass der aufstrebende John Cena dabei war, "Vinces Mann" zu werden und er weniger Aufmerksamkeit bekam - unter anderem auch daran, dass Cena die Filmrolle in der WWE-Produktion "The Marine" bekam, die anfangs ihm in Aussicht gestellt worden sei. Als Affront fasste Angle auch seine Versetzung in den damaligen Drittkader ECW auf: "Dann nahm alles seinen Lauf."

Angle hätte McMahon vor einer RAW-Show mit seinem heftig geschundenen Körper konfrontiert, gar vor ihm die Hosen runtergelassen, um ihm seine von inneren Blutergüssen verfärbte Leistengegend zu zeigen ("Ich hatte mir drei Muskeln bei einer House Show gerissen"). McMahon hätte sich dann nach langem Hinhalten auf ein Gespräch in der Firmenzentrale in Stamford eingelassen.

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"Wenn du mich nicht entlässt, werde ich mich umbringen"

Der fünfmalige WWE und World Champion bat den Boss um seine Entlassung, die McMahon ihm anfangs nicht gewähren wollte - er schlug Angle stattdessen vor, einen Entzug vorzunehmen und sechs Monate später zurückzukommen.

Angle allerdings hätte auf seiner Forderung bestanden und sie auf drastische Weise bekräftigt: "Ich habe ihm gesagt: 'Es tut mir leid, das so zu sagen, aber wenn du mich nicht entlässt, werde ich mich umbringen.' Nicht dass ich mich erschießen würde oder so etwas, aber ich hatte, das Gefühl es würde ein Unfall passieren." Eine gefährliche, versehentliche Schlafmittel-Überdosis hätte er da schon hinter sich gehabt: "Vince hat dann sofort gesagt: Du bist entlassen."

McMahon hätte immer noch eine Wiederannäherung gehofft, stattdessen ging Angle zur Konkurrenzliga TNA (heute: Impact Wrestling), auf die er damals mit seinen Matches gegen Samoa Joe, AJ Styles und Co. neue Aufmerksamkeit lenkte. Der offensichtlich verärgerte WWE-Boss habe darauf elf Jahre lang nicht mehr mit ihm gesprochen, berichtet Angle.

Zwölf Dosen Bier, während er am Steuer saß

Angles Suchtprobleme hörten nach dem Abgang nicht auf, zwischen 2009 und 2013 wurde er viermal wegen Fahrens unter Alkohol- und Drogeneinflusses verhaftet.

"Ich nahm zwei Xanax und zwei Sixpacks Bier - während ich am Autosteuer saß. Ich traf die schlimmsten Entscheidungen", blickt Angle zurück, der mit seinem Verhalten auch privat viel zerschlug: Ehefrau Karen ließ sich 2008 scheiden (und ist nun mit Wrestler-Kollege Jeff Jarrett verheiratet), Angles spätere Freundin, die Wrestlerin Trenesha Biggers, warf ihm Stalking vor.

Auch die zweite Ehe mit seiner jetzigen Ehefrau Giovanna war bedroht, ehe Angle 2013 sein Leben durch einen erfolgreichen Entzug doch noch auf die Reihe bekam. Dass der jahrelange Raubbau ihn gesundheitlich mitgenommen hat, ist dennoch bis heute zu spüren.

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Angle verlor Vater, Schwester und Trainer durch Schicksalsschläge

Wie viel schlimmer alles hätte enden können, hätte Angle dabei eigentlich schon Jahre vorher aus persönlicher Erfahrung klar sein müssen: Seine Schwester Le'Anne war 2003 an einer Überdosis Heroin gestorben. Dies hätte ihn damals jedoch nur zwischenzeitlich zur Besinnung gebracht, sagt Angle nun.

Die Tragödie um seine Schwester war nicht die einzige, die Kurt Angle in seinem persönlichen Umfeld erleben musste.

Vater David, ein Kranführer aus einem Vorort von Pittsburgh, starb bei einem Arbeitsunfall, als der am 9. Dezember 1968 geborene Kurt 16 Jahre alt war. Sein zum Ersatzpapa gewordener Ringer-Coach David Schultz (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Skandal-Wrestler) wurde einige Monate vor seinem Olympiasieg ermordet – das Verbrechen, das Zentrum des Hollywood-Dramas "Foxcatcher" war.

Kurt Angle gewann 1996 Gold im Ringen bei Olympia in Atlanta
Kurt Angle gewann 1996 Gold im Ringen bei Olympia in Atlanta © Imago

Partner von Ronda Rousey bei WrestleMania

Angle besiegte im Finale von Atlanta dann trotzdem den Iraner Abbas Jadidi, drei Jahre später landete er bei der früheren WWF und legte eine Blitzkarriere hin, in der er schon ein Jahr nach seinem Debüt alle damaligen Einzeltitel der Liga gewann.

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2017 nahm ihn WWE nach einer Wiederannäherung in ihre Hall of Fame auf, es folgte auch ein Comeback als General Manager von RAW und auch im Ring, wo er unter anderem Partner von Ronda Rousey bei deren Debüt bei WrestleMania 34 war - die beiden besiegten das Ehepaar Triple H und Stephanie McMahon, Weggefährten Angles aus der Attitude Era. 2019 machte Angle mit einem weiteren, in vielerlei Hinsicht eher enttäuschenden WrestleMania-Kampf gegen Baron Corbin endgültig Schluss, in diesem Frühjahr wurde er auch aus einem Engagement hinter den WWE-Kulissen entlassen.

Über einen Mangel an Beschäftigung kann er dennoch nicht klagen: Angle hat ein ausgefülltes Familienleben als Vater von sechs Kindern (Story-Sohn Jason Jordan nicht mitgezählt), sein jüngstes berufliches Projekt: Er vertreibt nun Nahrungsergänzungsmittel und Fitness-Snacks.

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