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Die besten Torhüter der Geschichte: Wo steht Casillas?

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Der portugiesische Pokal ist am 1. August die letzte von unzähligen Trophäen, die Iker Casillas in seiner aktiven Laufbahn in den Himmel reckt. Drei Tage später erklärt der spanische Torhüter des FC Porto seine Karriere für beendet
Nach einem Herzinfarkt hatte es der 39 Jahre alte Spanier es zwar zurück ins Mannschaftstraining geschafft, aber kein Pflichtspiel mehr bestritten. Bei Real Madrid hatte Casillas ebenso eine Ära geprägt wie bei der spanischen Nationalmannschaft
Wo aber rangiert der Weltmeister von 2010 und Europameister von 2008 und 2012 unter den historisch besten Torstehern?  SPORT1 zeigt die Top 20 der Keeper-Legenden - mit Einschätzungen des ehemaligen Nationaltorwarts Timo Hildebrand
PLATZ 20 - SERGIO GOYCOCHEA (Argentinien): Sein Stern ging bei der WM 1990 auf. Weil sich der argentinische Stammkeeper Nery Pumpido verletzte, rückte Goycochea zum zweiten Gruppenspiel zwischen die Pfosten und untermauerte in der Folge seinen Ruf als gefürchteter Elfmeterkiller
Im Viertelfinale gegen Jugoslawien und im Halbfinale gegen Gastgeber Italien parierte er im Elfmeterschießen je zwei Versuche. Dass Lothar Matthäus den Strafstoß im Endspiel Andreas Brehme überließ, mag auch an Goycochea gelegen haben. Gewann mit Argentinien in der Folge 1991 und 1993 die Copa América und 1992 den Confed Cup
"Vor Goycochea (re.) hat 1990 bei der WM jeder Angst gehabt, gegen ihn im Elfmeterschießen anzutreten", erinnert sich Hildebrand. "Sein Markenzeichen waren auf jeden Fall die starken Abschläge"
PLATZ 19 - PETR CECH (Tschechien): 16 Sekunden war das Spiel des FC Chelsea gegen den FC Reading am 14. Oktober 2006 alt, als das Knie von Readings Stephen Hunt an Cechs Kopf prallte. Der Schlussmann erlitt dabei einen Schädelbasisbruch und spielte in der Folge nur noch mit einem Kunststoffhelm
Seinen größten Erfolg feierte der Welttorhüter von 2005 mit dem Champions-League-Sieg 2012 im Finale gegen den FC Bayern
PLATZ 18 - GORDON BANKS (England): Der Schlussmann, mit dem England 1966 der WM-Triumph gelang. Aus den Reihen von Leicester City hervorgegangen. Blieb den Fußballfans der Welt weniger durch den WM-Titel in Erinnerung ...
... als durch eine spektakuläre Parade im Spiel des Titelverteidigers bei der WM 1970 gegen Brasilien. Einen vermeintlich unhaltbaren Kopfball Pelés kratzte Banks mit einem Hechtsprung aus dem unteren linken Toreck, Pelés Jubelschrei verstummte. England unterlag allerdings dennoch mit 0:1
PLATZ 17 - RINAT DASSAJEW (Russland): Der überragende russische Schlussmann der 80er-Jahre war auch diesseits des Eisernen Vorhangs ein Begriff. Ein geschmeidiger Athlet mit sagenhafter Reaktionsfähigkeit, der 1980 mit der UdSSR Olympiabronze gewann. Die EM 1988 lieferte den letzten Beweis seiner Klasse
Bei dem Turnier in Deutschland verdankte die sowjetische Auswahl dem Schlussmann von Spartak Moskau ihren Finaleinzug, der Lohn war die Auszeichnung zum Welttorhüter 1988. Das Jahrhunderttor von Marco van Basten konnte er im Endspiel allerdings nicht verhindern
PLATZ 16 - EDWIN VAN DER SAR (Niederlande): 1,99 Meter misst der niederländische Ausnahmeschlussmann, der als Teil der goldenen Generation mit Ajax den UEFA-Pokal 1992 und die Champions League 1995 gewann. Mit Manchester United holte er den Henkelpott 2008 noch einmal
Er sammelte insgesamt 27 größere Trophäen, war mit 130 Länderspielen lange niederländischer Rekordnationalspieler und mit 40 Jahren und 205 Tagen ältester Akteur, der je englischer Meister wurde. Sein persönliches Trauma: Das WM-Aus 1998 und das EM-Aus 2000 jeweils nach Elfmeterschießen und die Nicht-Qualifikation für die WM 2002
"Van der Sar war ein sehr großer Torwart, ein richtiger Schlaks. Er war einer der ersten mitspielenden Torhüter", sagt Hildebrand. "Er hat für Manchester United lange einen überragenden Job gemacht, war sehr beweglich und hat immer super mitgespielt. Er hat mit ManUnited Geschichte geschrieben"
PLATZ 15 - PETER SHILTON (England): Noch im Alter von 40 Jahren stand Shilton bei der WM 1990 im WM-Halbfinale, das gegen Deutschland allerdings keinen guten Ausgang nahm. Seine 125 Länderspiele für England sind unerreicht, an seiner Nachfolge hatten die britischen Torhüter schwer zu knabbern
Mit Nottingham Forest gewann Shilton den Landesmeister-Cup 1979 und 1980 (im Finale gegen den Hamburger SV). Außer ihm schaffte es nur der Franzose Fabien Barthez, zehn WM-Spiele ohne Gegentor zu überstehen. Kassierte 1986 das Tor durch die "Hand Gottes"
PLATZ 14 - JOSÉ LUIS CHILAVERT (Paraguay): Mit "schillernd" ist die Karriere des paraguayischen Nationalhelden noch zurückhaltend beschrieben. Chilavert war nicht nur Torhüter, sondern auch Standardspezialist. Die rund 60 Treffer im Verlauf seiner Karriere rührten zu einem Großteil aus Freistößen. Auf der Linie war er allerdings auch kein Schlechter
Mit Vélez Sarsfield gewann er 1994 die Copa Libertadores und die Klub-WM. 1995, 1997 und 1998 zum Welttorhüter gekürt. Bei seinen zwei WM-Teilnahmen 1998 und 2002 war jeweils im Achtelfinale Schluss
"Chilavert war ein echter Paradiesvogel und hat geile Freistöße geschossen", sagt Hildebrand. "Das gab es in dieser Art und Weise nicht mehr so, er hat das Torwartspiel in Südamerika geprägt und echt viele Tore gemacht"
PLATZ 13 - WALTER ZENGA (Italien): Galt als der legitime Nachfolger von Dino Zoff, ein zugegebenermaßen sehr hoher Maßstab. War von 1982 bis 1994 bei Inter Mailand und prägte dort auch die Ära mit Lothar Matthäus, Andreas Brehme und Jürgen Klinsmann mit
Der katzenhafte Torhüter wurde italienischer Meister 1989 in der goldenen Zeit der Serie A, UEFA-Cup-Sieger 1991 und 1994 und gleich dreimal Welttorhüter. Von 1989 bis 1991 gab es keinen besseren Schlussmann. Bei der WM 1990 blieb er 517 Minuten lang ohne Gegentor
"Walter Zenga war damals mein Vorbild", sagt Hildebrand. "Er verkörperte die alte, italienische Schule. Er war einfach ein super Torwart"
PLATZ 12 - BERT TRAUTMANN (Deutschland): Der gebürtige Bremer spielte nie für die deutsche Auswahl, machte sich aber in England unsterblich. Nach seiner Freilassung aus englischer Kriegsgefangenschaft blieb der frühere Fallschirmjäger auf der Insel und schloss sich 1949 Manchester City an. Das brachte 20.000 Fans der Citizens vor Wut auf die Straße
Doch Trautmann spielte sich in ihre Herzen, absolvierte bis 1964 satte 508 Partien für Manchester und gewann 1956 das Double aus FA Cup und Meisterschaft. Das Pokalfinale hielt er verletzt durch, im Anschluss wurde ein Genickbruch diagnostiziert. Nicht zuletzt deshalb wurde er 1956 Fußballer des Jahres in England
PLATZ 11 - TONI TUREK (Deutschland): Stand 1950 schon beim ersten deutschen Länderspiel nach dem Krieg im Tor. War damals nach Kriegsgefangenschaft ein bereits 31 Jahre alter Debütant. Wurde 1954 noch mehr zum Sinnbild der fußballerischen Wiedergeburt
Seine Paraden im WM-Finale gegen Ungarn machten den ältesten Spieler des Turniers nicht zuletzt dank der Radioreportage von Herbert Zimmermanns zur Legende: "Toni, du bist ein Teufelskerl! Toni, du bist ein Fußballgott!“ Seine Länderspielkarriere endete nur wenig später im Oktober 1954 nach 20 Einsätzen
PLATZ 10 - PETER SCHMEICHEL (Dänemark): Der Schrank zwischen den Pfosten war einfach für jeden Stürmer einschüchternd. Wenn der 1,90 Meter große und über 100 Kilo schwere Däne aus dem Tor kam, zogen die Angreifer bei Flanken die Köpfe ein. Tat den deutschen Fußballfans zweimal besonders weh
1992 gewann er mit seiner aus dem Urlaub zurückgeholten Nationalmannschaft sensationell den EM-Titel im Finale gegen Weltmeister Deutschland. 1999 hütete er das Tor von Manchester United beim dramatischen 2:1-Endspielsieg in der Champions League gegen den FC Bayern. Es war sein letztes Spiel für die Red Devils
"Peter Schmeichel war ein herausragender Keeper, der das Torwartspiel geprägt hat. Er war eine absolute Persönlichkeit und hat unglaubliche Paraden gezeigt", schwärmt Hildebrand. "Es ist sensationell, dass sein Sohn jetzt in der Nationalelf auch so eine Karriere hinlegt"
PLATZ 9 - TONI SCHUMACHER (Deutschland): Hieß mit Rufnamen Harald, mit zweitem Vornamen Anton. Verdankt den Spitznamen aber einerseits dem Kölner Meisterschlussmann von 1964, Toni Schumacher. Andererseits dem Umstand, dass im Team des 1.FC Köln "Harald" schon durch den Verteidiger Konopka belegt war. Gewann mit dem FC 1978 das Double
Europameister von 1980, Vize-Weltmeister 1982 und 1986. Sein internationaler Ruf als Weltklassekeeper litt durch die heftige Attacke gegen den Franzosen Patrick Battiston im WM-Halbfinale 1982. 1986 zum zweitbesten WM-Spieler gekürt, nach überragendem Turnier tauchte er im Finale vor dem 0:1 unter einer Flanke durch
Warf 1987 mit seinem Buch "Anpfiff“ das Thema Doping im Fußball auf, musste daraufhin den 1.FC Köln und die DFB-Auswahl verlassen. "Toni Schumacher bleibt unvergessen", sagt Hildebrand. "Er war immer sehr konsequent, ist auch immer mal angeeckt und hat sein Ding durchgezogen. Ein herausragender Torwart"
PLATZ 8 - SEPP MAIER (Deutschland): Die "Katze von Anzing“ war ein wesentlicher Baustein des unaufhaltsamen Aufstiegs des FC Bayern. Der humorvolle Schlussmann stand dort von 1962 bis 1979 zwischen den Pfosten, ist mit 699 Pflichtspielen Rekordhalter der Münchner. Dreimal Europapokalsieger der Landesmeister, Europameister 1972, Weltmeister 1974
Es hätte noch einiges mehr dazu kommen können, wenn Maier nicht am 14. Juli 1979 bei einem Autounfall schwer verletzt worden wäre. Das Bild seines Mercedes 450 SEL belegt die Wucht des Aufpralls. Ein Comeback Maiers sollte es in der Folge nicht mehr geben
"Er war der erste große deutsche Torhüter, er hat immer viel Spaß und gute Stimmung verbreitet", sagt Hildebrand. "Er war beim FC Bayern äußerst erfolgreich. Auch als Torwarttrainer hat er einen richtig guten Job gemacht"
PLATZ 7 - LEW JASCHIN (Russland): Der legendäre Russe hütete von 1950 bis 1970 das Tor von Dynamo Moskau, von 1951 bis 1953 im Winter auch das des Eishockeyteams. Seine Reflexe waren legendär. 1954 debütierte er im Kasten der damaligen UdSSR
Wurde 1956 Olympiasieger in Melbourne, 1958 und 1962 zum besten Torwart der WM gekürt. War der erste mitspielende Torhüter. Führte die UdSSR 1960 zum Titel bei der ersten EM, die noch unter Europapokal der Nationen firmierte
PLATZ 6 - DINO ZOFF (Italien): "Dino Nationale" hatte sich seinen Spitznamen mehr als verdient. Zwischen 1968 und 1982 stand er 112-mal für die Italiener im Tor. Wurde 1968 nach seinem vierten Länderspiel schon Europameister. Die Krönung folgte 14 Jahre später
Im Alter von 40 Jahren wurde der Kapitän der Squadra Azzurra der bis heute älteste Weltmeister durch den Finalsieg gegen Deutschland. UEFA-Cup-Sieger mit Juventus 1977, der Landesmeistertriumph blieb ihm 1973 (gegen Ajax) und 1983 (gegen den HSV) verwehrt
PLATZ 5 - FABIEN BARTHEZ (Frankreich): Der Kuss von Abwehrchef Laurent Blanc auf die Glatze des nur 1,80 Meter großen Schlussmanns vor Spielbeginn wurde zur guten Tradition französischer Länderspiele. Barthez reihte danach zehn WM-Partien ohne Gegentor aneinander. Neben Iker Casillas, Sepp Maier und Dino Zoff der vierte Torwart, der Welt- und Europameister wurde (1998 und 2000)
Der Welttorhüter von 2000 musste fünf Jahre zuvor eine Dopingsperre absitzen, weil ihm Haschisch-Konsum nachgewiesen wurde. Versuchte sich nach der Fußballkarriere mit überschaubarem Erfolg im Motorsport
"Er hat super Leistungen bei Olympique Marseille gezeigt, auch für ManUnited. Er hat über einen langen Zeitraum herausragend gehalten und eine absolute Top-Karriere hingelegt", lobt Hildebrand
PLATZ 4 - OLIVER KAHN (Deutschland): Der gebürtige Karlsruher avancierte nach seinem Wechsel zum FC Bayern 1994 zum Torwart-Titan. Achtmal Meister, sechsmal Pokalsieger. Besessener Arbeiter mit unbändigem Siegeswillen. Europameister 1996 als Reservist, beerbte 1998 Andi Köpke als Nationaltorwart, wurde dreimal Welttorhüter
Sicherte dem FC Bayern 2001 im Elfmeterschießen des Finales den Champions-League-Sieg gegen den FC Valencia. 2002 überragender Schlussmann der WM in Südkorea und Japan. Bitterer Makel: Sein fataler Fangfehler beim Schuss von Rivaldo im Finale gegen Brasilien ermöglichte Ronaldos 1:0
"Oliver Kahn hat über Jahrzehnte das Torwartspiel in Deutschland geprägt", urteilt Hildebrand. "Unvergessen ist der Champions-League-Sieg in Valencia - und die krasse Niederlage gegen Manchester United im Finale. Sein Wille, seine Leidenschaft und sein Engagement haben ihn zu Recht zum Welttorhüter gemacht"
PLATZ 3 - GIANLUIGI BUFFON (Italien): Als Buffon 2001 für 54,1 Millionen Euro von Parma zu Juventus wechselte, mokierte sich die Welt des Calcio noch über diese Rekordablöse für einen Torwart. Doch "Gigi" war für Juve jeden Cent wert. Neun Meistertitel gewann er mit Turin und blieb sogar nach dem Zwangsabstieg bei der Alten Dame. Kehrte im Sommer 2019 nach einem Jahr in Paris noch einmal zurück
Nur der Champions-League-Sieg blieb dem fünfmaligen Welttorhüter und Weltmeister von 2006 bisher versagt - auch zuletzt mit PSG. Leuchtendes Vorbild in Sachen Fair Play, ein internationaler Star ohne Allüren, bekannte sich offen zum eigenen Kampf gegen Depressionen
PLATZ 2 - MANUEL NEUER (Deutschland): "Koan Neuer" wollten die Bayern-Fans im Frühjahr 2011, doch sie bekamen ihn trotzdem. Und sollten es nicht bereuen. Mit dem Gelsenkirchener im Tor wurden die Münchner sechsmal Meister, viermal Pokalsieger. Als Krönung gab es das Triple 2013
Auch wegen seines offensiven Stils quasi als zusätzlicher Feldspieler holte Deutschland 2014 den WM-Titel. Kehrte nach langwierigen Mittelfußverletzungen zum Ende der Saison 2018/19 wieder zurück zu alter Stärke
PLATZ 1 - IKER CASILLAS (Spanien): Das Eigengewächs von Real Madrid verdrängte 1999 Bodo Illgner aus dem Tor der Königlichen und bliebt dort bis 2015. "Nur" 1,82 Meter groß, aber gesegnet mit Reaktionsschnelligkeit, Antizpationsfähigkeit und perfektem Stellungsspiel
Ist der Schlussmann der großen spanischen Ära: Weltmeister 2010, Europameister 2008 und 2012. Gewann drei Mal die Champions League - und wechselte im Streit mit José Mourinho 2015 zum FC Porto. Dort hat er nun seine Karriere beendet
Die besten Torhüter der Geschichte: Wo steht Casillas?
Der portugiesische Pokal ist am 1. August die letzte von unzähligen Trophäen, die Iker Casillas in seiner aktiven Laufbahn in den Himmel reckt. Drei Tage später erklärt der spanische Torhüter des FC Porto seine Karriere für beendet
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