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Wie Marco Sturm Deutschland zur Eishockey-Nation machte

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Ende einer Erfolgsstory: Bundestrainer Marco Sturm steigt vorzeitig beim Deutschen Eishockey-Bund aus. Der 40-Jährige ist jetzt Assistenzcoach beim NHL-Team Los Angeles Kings, für die Kings war er auch in seiner Karriere als Spieler aktiv war. Es ist die große Chance, sich als Coach in der besten Liga der Welt zu etablieren
Was bleibt, ist Sturms historischer Erfolg: Bei den Olympischen Winterspielen führte er Deutschland sensationell zu Silber. SPORT1 zeigt, wie er das DEB-Team aus der Versenkung holte und aus Deutschland wieder eine Eishockey-Nation machte
Deutschlands Eishockey-Cracks verpassen im Februar 2013 nach einem Debakel gegen Österreich seit 65 Jahren erstmals die Qualifikation für die Olympischen Spiele. Ganz Österreich feiert das "Eishockey-Cordoba" ausschweifend und verspottet die Deutschen
Das Team des damaligen Bundestrainers Pat Cortina hätte nach dem peinlichen 1:2 gegen Italien einen Sieg in der regulären Spielzeit gegen Österreich benötigt, gewinnt aber in Bietigheim-Bissingen nur nach Verlängerung mit 3:2. Und es kommt noch dicker…
2015 enttäuscht Deutschland bei der WM in Tschechien und scheidet bereits in der Vorrunde aus. DEB-Coach Cortina muss daraufhin seinen Hut nehmen und der Weg ist frei für Deutschlands unerwarteten Eishockey-Messias…
Im Juli 2015 präsentiert DEB-Präsident Franz Reindl zur Überraschung vieler den als Trainer völlig unerfahrenen, als Spieler aber überragenden Marco Sturm im Alter von gerade einmal 36 Jahren als Nachfolger des erfolglosen Cortina. Selbst gestandene Nationalspieler staunen damals nicht schlecht
"Das kam so ein bisschen aus dem Nichts, aber es funktioniert. Der Staff, den er um sich rum hat, die Leute, die er ausgesucht hat, die haben natürlich perfekt gepasst. Die Mischung macht es dann einfach", erinnert sich Christian Ehrhoff
Denn Reindl ernennt den ehemaligen NHL-Star Sturm nicht nur zum Bundestrainer, sondern auch zum General Manager. Nach seinen 1006 NHL-Spielen für San Jose, Boston, Washington, Los Angeles, Vancouver und Florida wird Sturm das Gesicht des deutschen Eishockeys. Dass der Dingolfinger aber so erfolgreich einschlägt, ahnt keiner
Sturm feiert mit dem Turniersieg beim Deutschland Cup 2015 einen glänzenden Einstand. Durch ein 5:2 gegen die USA sichert sich die DEB-Auswahl zum insgesamt siebten Mal den Triumph beim Heimturnier und verteidigt zudem den Titel aus dem Vorjahr erfolgreich
Erst die Slowakei hatte den Deutschen mit einem 4:0 gegen die Schweiz die Siegchance eröffnet. Für Sturm ist die Feuertaufe ein voller Erfolg und auch insgesamt ist ein klarer Aufwind zu verspüren. Mit Blick auf die WM 2016 und das so wichtige Olympia-Qualifikationsturnier hat der DEB Grund zur Zuversicht
Bei der WM 2016 in Russland sorgen die deutschen Kufen-Cracks unter Sturms Leitung wieder für Furore. In der Vorrunde werden die USA und Slowakei geschlagen und in der Tabelle hinter sich gelassen. Als Dritter hinter Kanada und Finnland kommt es im Viertelfinale zum Aufeinandertreffen mit dem Gastgeber
Allerdings reicht eine abermals starke Leistung im nicht: Trotz früher Führung muss sich die DEB-Auswahl am Ende mit 1:4 geschlagen geben. Mit WM-Platz 7 werden die Erwartungen trotzdem klar übertroffen. Reindls mutiges Experiment mit Sturm geht auch in diesem Turnier auf
Sturms Handschrift ist schnell klar zu erkennen. Das offensivere, von Nordamerika inspirierte Spiel kommt auch bei den Profis an. "Wir spielen aus einer guten Defensive heraus, aber wenn sich die Möglichkeit ergibt, dann sind wir auch aggressiv vorne. Nicht mehr dieses alte 0-5, das es früher gab, sondern auch etwas modernes Eishockey", lobt Ehrhoff
Als eines seiner Vorbilder als Trainer bezeichnet Sturm übrigens Daryl Sutter (Bild) - er war Sturms erster NHL-Coach bei den San Jose Sharks. Auch von Claude Julien habe er viel gelernt. "Mir ist aufgefallen, dass der Nationalmannschaft der Spaß fehlt. Natürlich musst du hart arbeiten, aber der Spaß darf nicht komplett fehlen", sagt Sturm. Nicht nur Ehrhoff sagt, Sturm habe auch den Spielern die Lust am DEB-Team zurückgebracht
Zum Auftakt der Olympia-Qualifikationsrunde in Riga besiegt Deutschland Japan klar mit 5:0. Im 2. Spiel nimmt die Sturm-Truppe Revanche für das "Eishockey-Cordoba" von 2013 und schießt Österreich mit 6:0 aus der Halle
Im DEB-Team glänzen vor allem Felix Schütz (4 Tore/1 Assist) und die NHL-Stars Leon Draisaitl (2 Tore/3 Assists) und Torwart Philipp Grubauer mit einer überragenden Fang-Quote von 97 Prozent und zwei Shutouts
Im Schlussspiel des Turniers erkämpft sich Deutschland durch einen hart erarbeiteten Sieg über Gastgeber Lettland einen der drei freien Startplätze für das Olympische Eishockeyturnier in Südkorea 2018. Das Olympia-Ticket sichert Tom Kühnhackl mit seinem Treffer kurz vor Schluss zum 3:2
Bei der Heim-WM 2017 lockt das Sturm-Team die Massen in die Kölner Lanxess Arena. Jedes WM-Spiel der Deutschen ist restlos ausverkauft und die Stimmung stets am Siedepunkt. Siege gegen die USA und die Slowakei tun ihr Übriges
Nach je zwei Siegen und Niederlagen verliert Deutschland aber im fünften Vorrundenspiel überraschend gegen Dänemark mit 2:3 in der Overtime. Nach einem weiteren Erfolg gegen Italien kommt es zum alles entscheidenden Duell gegen Lettland um den Viertelfinaleinzug
Die DEB-Mannschaft behält gegen die Letten wieder einmal die Nerven und sichert sich nach einem dramatischen 4:3-Sieg nach Penalty-Schießen das Ticket fürs Viertelfinale. Gefeierter Matchwinner ist Youngster Frederik Tiffels, den Coach Sturm vor der WM aus dem Hut gezaubert hatte
Im WM-Viertelfinale wartet das Eishockey-Mutterland auf die deutsche Auswahl: NHL-Goalie Grubauer hält Deutschland mit zahlreichen Paraden lange im Spiel, letztlich aber setzt sich Kanada knapp mit 2:1 durch. Die deutschen Fans lassen sich nach Platz 8 bei der Heim-WM nicht davon abbringen, die DEB-Truppe ordentlich abzufeiern. Olympia 2018 kann kommen
Bei den Winterspielen von Pyeongchang schreiben die deutschen Eishockey-Helden dann Olympia-Geschichte. Allerdings wagt es nach der 2:5-Auftaktniederlage gegen Finnland zunächst niemand, von einer Medaille überhaupt zu träumen
Die zweite, knappe Vorrunden-Niederlage gegen Schweden (0:1) macht dann aber leise Hoffnungen. Diese bestätigt die DEB-Truppe im 3. Spiel mit dem 2:1-Erfolg nach Penalty-Schießen gegen Norwegen
Im K.o-Spiel gegen die Schweizer schießt Yannic Seidenberg Deutschland in der Verlängerung mit seinem Tor zum viel umjubelten 2:1 ins Viertelfinale. Das Winter-Märchen nimmt seinen Lauf. Jetzt wartet die Revanche gegen Schweden
Diesmal haben die deutschen Eishockey-Stars das Glück auf ihrer Seite, nachdem sie noch in der Vorrunde zwei Mal an der Querlatte und zwei Mal am Pfosten gescheitert waren. In der Verlängerung trifft Patrick Reimer zum 4:3 - der Halbfinaleinzug ist perfekt!
Im Semifinale steht es nach 27 Minuten gegen Kanada 3:0 für Deutschland. Die Sensation ist zum Greifen nahe, doch die Eishockey-Macht dreht nochmal auf. Nach einem packenden Schlussdrittel kämpft sich Deutschland aber sensationell mit 4:3 ins Olympische Eishockey-Finale
Im Endspiel gegen Russland fehlen der DEB-Truppe schließlich nur 55,5 Sekunden zu Gold. Nikita Gusew trifft kurz vor der Schlusssirene zum 3:3-Ausgleich. Es geht in die Verlängerung. Dort schießt Kirill Kaprisows nach 9:40 Minuten die Russen zu Gold, während Reimer auf der Strafbank sitzt
Dennoch: Die deutschen Kufen-Cracks fliegen als Gewinner nach Hause. Mit Silber nach den sensationellen Siegen gegen Weltmeister Schweden und Rekord-Olympiasieger Kanada übertrifft die Mannschaft um Kapitän Marcel Goc die bislang besten Olympia-Ergebnisse: 1932 und 1976 hatte Deutschland jeweils Bronze geholt
Die Bilanz des ehrgeizigen Bundestrainers Marco Sturm kann sich mehr als sehen lassen: Deutschland-Cup-Sieger 2015, WM-Viertelfinale 2016 und 2017 sowie Olympia-Silber 2018. Nachfolger Toni Söderholm tritt ein schweres Erbe an
Wie Marco Sturm Deutschland zur Eishockey-Nation machte
Ende einer Erfolgsstory: Bundestrainer Marco Sturm steigt vorzeitig beim Deutschen Eishockey-Bund aus. Der 40-Jährige ist jetzt Assistenzcoach beim NHL-Team Los Angeles Kings, für die Kings war er auch in seiner Karriere als Spieler aktiv war. Es ist die große Chance, sich als Coach in der besten Liga der Welt zu etablieren
@Getty Images