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Nationalmannschaft: Gewinner und Verlierer des Umbruchs unter Joachim Löw

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Da ist er endlich, der von vielen Seiten erwartete und geforderte Umbruch in der deutschen Nationalmannschaft. Was gegen die Franzosen bereits in Ansätzen zu erkennen war, bestätigte sich nun gegen Russland
Altgediente, wie Thomas Müller nahmen auf der Bank Platz, ...
... während die "jungen Wilden" um Leroy Sane und Serge Gnabry von Bundestrainer Joachim Löw erneut von Beginn an von der Leine gelassen wurden - und überzeugten. Der Generationswechsel scheint nun endgültig eingeleitet. SPORT1 macht den Check: Wer sind aktuell die Gewinner, wer die Verlierer?
Vorab: Auch Löw selbst befindet sich im Umbruch. Besser gesagt im Umdenken. Anhand des vorhandenen Spielermaterials und des aktuellen Trends im Weltfussball (Frankreich) scheint sich der 58-Jährige auf eine Dreierkette festgelegt zu haben, die im Defensivverhalten zu einer Fünferkette mutiert
Aus dieser defensiven Grundordnung heraus setzt Löw nun vermehrt auf Tempogegenstöße und überfallartiges Umschaltspiel. Das über Jahre eingeimpfte Ballbesitzspiel scheint vorerst ausgedient zu haben
GEWINNER - MANUEL NEUER: Nicht ausgedient zu haben scheint Manuel Neuer. Trotz der konstant starken Leistungen von Marc-Andre ter Stegen beim FC Barcelona hält der Bundestrainer seinem langjährigen Keeper und Kapitän die Treue
Gegen den Gastgeber der letzten Weltmeisterschaft war der Torwart vom FC Bayern größtenteils beschäftigungslos, strahlte aber durchaus Souveränität aus. Insbesondere aufgrund seiner Führungsqualitäten und seinem Status innerhalb der Mannschaft für Löw weiterhin unumstrittene Nummer eins
NIKLAS SÜLE: Mats Hummels seit Wochen im Formtief, Jerome Boateng nicht einmal für die Länderspiele gegen Russland und die Niederlande nominiert. Ihr potentieller Nachfolger spielt im selben Verein, ...
... befindet sich jedoch momentan in einer anderen ganz anderen Verfassung. Der erst 23 Jahre alte Innenverteidiger schwingt sich allmählich zum Abwehrchef auf. Gegen die Russen gelang ihm sogar sein erstes Länderspieltor: "In der Box darf man mich nicht mit der Innenseite schießen lassen", scherzte Süle im Anschluss an die Partie
MATTHIAS GINTER: Nicht ganz so auffällig und beeindruckend wie Nebenmann Süle spielt sich der Verteidiger von Borussia Mönchengladbach so langsam aber sicher ebenfalls fest in der DFB-Elf
Seit der Weltmeisterschaft bestritt Ginter alle Partien von Beginn an und erlaubte sich keinen größeren Schnitzer. Vor allem diese Zuverlässigkeit und seine Variabilität machen ihn derzeit für Löw unverzichtbar
THILO KEHRER: Der Wechsel nach Paris hat dem 21-Jährigen ordentlich Auftrieb verliehen. Unter Thomas Tuchel zuletzt meistens gesetzt in der PSG-Abwehr - nun setzt auch der Bundestrainer auf den vielseitig einsetzbaren Defensivspezialisten
Starke Partie gegen die Russen. Viel Zug nach vorne, leistete sich kaum Ballverluste und zeigte sich taktisch hervorragend - ein weiteres Qualitätsprodukt aus Schalkes "Knappenschmiede". Wird auch dem DFB in Zukunft noch viel Freude bereiten
JOSHUA KIMMICH: Der neue Junior-Chef im DFB-Mittelfeld. Räumte auch gegen die "Sbornaja" wieder gnadenlos auf und entlastete die Abwehr dadurch enorm. Der ursprünglich als Mittelfeldspieler ausgebildete Kimmich fühlt sich in seiner neuen, alten Rolle immer wohler
"Um ehrlich zu sein, ist es meine Lieblingsposition als alleiniger Sechser zu spielen. Ich habe kein Problem damit, abzuräumen", sagt der neue Anführer nach dem Russland-Spiel. Aufgrund seiner Polyvalenz und Gewinner-Mentalität Löws neuer verlängerter Arm auf dem Spielfeld
KAI HAVERTZ: aktuell das größte deutsche Talent. Kam in Leipzig zu seinem Startelf-Debüt in der Nationalmannschaft und erhielt prompt Lob von allen Seiten. "Kai hat eine sehr gute Technik und Orientierung, wenn er den Ball bekommt, hat er immer eine Idee", ...
... schwärmte der Bundestrainer von seinem Juwel. Havertz selbst sagte zu seiner Leistung: "Es war immer ein Traum, in der Startformation zu stehen - ich habe aber noch viel Luft nach oben." Für die Konkurrenz schon fast als Drohung zu verstehen. Der angehende Erbe Mesut Özils
SERGE GNABRY: Wie beim FCB, so nun auch beim DFB - die Formkurve steigt und das Selbstvertrauen des Offensivakteurs wächst von Spiel zu Spiel. Mit seiner Explosivität und Dynamik der Prototyp des neuen DFB-Spiels. "Ein Mix aus Zehner und Stürmer, ...
... der uns mit seiner unfassbaren Geschwindigkeit und seinem guten Raumgefühl enorm weiterhilft", zeigt sich FCB-Kumpel Kimmich begeistert. Nicht nur bei den Bayern aktuell das Salz in der Suppe
LEROY SANE: Bei Manchester City unter Pep Guardiola schon seit geraumer Zeit eine der Offensiv-Waffen, nun schickt sich der Wuschelkopf endlich auch im DFB-Dress an, seine Leistungen aus dem Klub auf den Rasen zu bringen
Im 16. Länderspiel erlöste sich Sane mit seinem Premierentor, das ihm nun weiteren Auftrieb im Kreis der Nationalmannschaft geben wird. Trotzdem noch mit Steigerungspotential
TIMO WERNER: Keine Glanzleistung gegen Russland, kein Gala-Auftritt gegen Frankreich. Dennoch ist Werner mit seinem Speed prädestiniert für die neue Ausrichtung des DFB-Teams. Wird weiterhin unter Löw ein elementarer Bestandteil des Neuaufbaus sein
VERLIERER - ANTONIO RÜDIGER: Einer, der von Hummels' und Boatengs Fehlen ebenfalls hätte profitieren können, konnte seine Chance bisher nicht unbedingt nutzen. Die beeindruckenden Leistungen beim FC Chelsea spülten Rüdiger auch bei Löw wieder vermehrt ins Sichtfeld, ...
... die zuweilen fehlende Souveränität bringt jedoch Unruhe in den Defensiv-Verbund. Vor allem mit dem Ball weist der 25-Jährige offensichtliche Mängel auf und scheint auch noch Führung zu benötigen: "Es war beim Confed Cup als ich das letzte Mal in so einer jungen Mannschaft gespielt habe. Wir brauchen aber auch die Erfahrenen"
JONAS HECTOR: Solide. So lassen sich die jüngsten Auftritte des Linksverteidigers wohl am treffendsten zusammenfassen. Aufgrund mangelnder Alternativen jedoch weiterhin fester Bestandteil der Nationalmannschaft
Musste gegen die Russen nach bösem Foul verletzungsbedingt ausgewechselt werden, sein Ersatzmann Nico Schulz interpretierte seine Position jedoch deutlich offensiver und war steter Aktivposten auf dem linken Flügel
JULIAN BRANDT: Ein Kandidat, den man wohl potentiell eher auf der Gewinner-Seite vermuten würde. Sucht aktuell unter Löw jedoch noch seine Rolle. Talent ist unbestritten vorhanden, aktuell fehlt ihm aber das Erfolgserlebnis
Aufgrund seines Alters und seines Profils wird Löw ihn aber dennoch nicht fallen lassen und ihm weiterhin Chancen geben. Diese muss der 22-Jährige dann einfach nutzen. Dann steht einer erfolgreichen Karriere im DFB-Team nichts entgegen
THOMAS MÜLLER: Aktuell ein wenig der Inbegriff der aussterbenden Generation. Wie auch beim FC Bayern findet sich Müller zunehmend auf der Bank wieder. Die Selbstverständlichkeit und Leichtigkeit aus früheren Zeiten gehen dem "Raumdeuter" zur Zeit ab
Aufgrund seiner Bedeutung in der Kabine, seiner grundsätzlich positiven Mentalität und seinen Verdiensten jedoch weiterhin fester Bestandteil der Mannschaft. Allerdings werden da auch Erinnerungen an einen gewissen Lukas Podolski wach ...
LEON GORETZKA: Wohin mit ihm? Was für ein Typ Spieler ist er/will er sein? Kann sich Stand jetzt noch nicht als Unterschiedsspieler auszeichnen und lässt ein klares Profil vermissen. Mit der unbestrittenen Rückkehr von Toni Kroos werden seine Einsatzchancen nicht unbedingt größer
"Das ist ärgerlich, denn man möchte immer auf dem Platz stehen. Gerade, wenn so eine Aufbruchsstimmung herrscht", haderte Goretzka nach Abpfiff mit seiner Rolle als Einwechselspieler. Scheint sich aber erstmal damit abfinden zu müssen
Nationalmannschaft: Gewinner und Verlierer des Umbruchs unter Joachim Löw
Da ist er endlich, der von vielen Seiten erwartete und geforderte Umbruch in der deutschen Nationalmannschaft. Was gegen die Franzosen bereits in Ansätzen zu erkennen war, bestätigte sich nun gegen Russland
@SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Getty Images/Imago/Picture Alliance