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Boris Becker: Diplomatenpass, Insolvenzverfahren und Ehe-Aus

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Als Tennis-Legende verzückte Boris Becker einst Fans und Fachpublikum. Als TV-Experte bei den Grand-Slam-Turnieren und "Head of Mens Tennis" beim Deutschen Tennis-Bund ist er angesehen und erfolgreich. Allerdings vergeht zurzeit kaum ein Tag, an dem er nicht auch aus anderen Gründen in den Schlagzeilen steht
Das Ehe-Aus mit Frau Lilly, ein Insolvenzverfahren in England und zuletzt die Posse um diplomatische Immunität und einen angeblich gefälschten Diplomatenpass der Zentralafrikanischen Republik schlugen hohe Wellen. SPORT1 blickt zurück auf die turbulenten vergangenen Wochen und Monate Boris Beckers
Am 15. Juni berief sich Becker im Laufe seines Insolvenzverfahren auf diplomatische Immunität. Als "Sonderattache für Sport und kulturelle Angelegenheiten in der Europäischen Union" soll der 50-Jährige über einen Diplomatenpass der Zentralafrikanischen Republik verfügen
"Die Entscheidung, ein Insolvenzverfahren gegen mich zu eröffnen, war gleichermaßen ungerechtfertigt wie unrechtmäßig. Ich habe jetzt diplomatische Immunität geltend gemacht, denn dazu bin ich in der Tat verpflichtet, um diese Farce zu einem Ende zu bringen, damit ich anfangen kann, mein Leben wieder aufzubauen", wurde Becker von der britschen Nachrichtenagentur "Press Association" zitiert
Den Vorwürfen, er wolle sich durch dieses Schlupfloch einem Gerichtsverfahren in Großbritannien entziehen, trat er allerdings entschieden entgegen und berief sich dabei auf das Credo "Unschuldig, solange das Gegenteil bewiesen ist"
Auch Beckers deutscher Anwalt Christian-Oliver Moser betonte, sein Mandant habe das diplomatische Amt mitnichten nur deshalb übernommen, "um auf diese Weise das Insolvenzthema zu lösen". Vielmehr sei sein Mandant von der Aufgabe "nach wie vor inhaltlich überzeugt"
Bereits im April hatte der sechsmalige Grand-Slam-Sieger die Brüsseler Botschaft des afrikanischen Landes besucht. Dort wurde ihm von Staatspräsident Faustin Archange Touadera und Botschafter Daniel Emery Dede seine neue Aufgabe übertragen
Beckers Anwalt bestätigte dazu SPORT1: "Unser Mandant wurde in Anwesenheit des Präsidenten Prof. Touadéra im April 2018 zum Attaché für Sport Kultur und humanitäre Angelegenheiten für Belgien ernannt. Anschließend hat ihm der belgische Botschafter des Landes, Dr. Daniel Dedé, seinen Diplomatenpass übergeben"
So weit, so gut. Doch die Geschichte entwickelte sich zu einem totalen Durcheinander. Zunächst bestätigte Botschafter Dede noch die Existenz und Gültigkeit des Passes und stellte dabei klar, dass Becker seine Arbeit als Sonderattache ehrenamtlich betreibe
Kurz darauf ruderte Außenminister Charles Armel Doubane jedoch zurück und erklärte der "Welt", Becker sei kein offizieller Diplomat. Um diesen Status zu erlangen, sei neben der Ernennung durch den Präsidenten auch seine Unterschrift von Nöten. Er habe aber keine entsprechenden Dokumente unterzeichnet
Der Chefdiplomat sorgte sich offenbar um das Image des Landes. "Wir wollen nicht, dass Boris Beckers inoffizielle Position für unser Land mit seinen finanziellen Problemen assoziiert wird". Sein Staat werde daher den dreimaligen Wimbledon-Sieger vor Gericht nicht schützen können
Nur wenig später verkündete dann der Büroleiter des zentralafrikanischen Außenministers der "AFP", Beckers Diplomatenpass sei eine Fälschung. Demnach gehöre die Seriennummer des Ausweises zu einem von mehreren Blanko-Dokumenten, "die 2014 gestohlen wurden", erklärte Cherubin Moroumba, der ranghöchste Mitarbeiter im Außenministerium
Auch sei auf dem Pass nicht seine Funktion als "Sonderattache für Sport und kulturelle Angelegenheiten" aufgeführt, er werde vielmehr als ein "Beauftragter für Finanzfragen" ausgewiesen. "Herrn Beckers Stellenbeschreibung gibt es nicht", sagte Moroumba
Becker selbst wollte davon jedoch nichts wissen. "Es ist ein Fakt, dass ich im Moment Diplomat der Zentralafrikanischen Republik bin", sagte Becker in einem Video-Interview mit dem "Top Magazin"
"Ich persönlich habe den Pass vom Botschafter im April bekommen, mehr kann ich zu diesem Thema nicht sagen", erklärte die Tennis-Legende. Auch bei der Beschreibung seiner genauen Tätigkeit blieb er vage
Auslöser der ganzen Posse um seinen Diplomatenstatus, war das bereits 2017 eingeleitete Insolvenzverfahren gegen den gebürtigen Leimener. Am 21. Juni erklärt ihn ein englisches Gericht für bankrott, "weil ich bei einer Privatbank 3,9 Millionen Euro Schulden habe, was richtig ist", erklärte Becker
Geht es nach der Tennis-Legende, habe er diese Schulden inzwischen aber beglichen. "Der Insolvenzverwalter müsste jetzt eigentlich glücklich sein", erklärte er. Grund dafür sind Vermögenswerte in Höhe von 5,1 Millionen Euro, die er in die Insolvenz eingebracht habe
Der Haken: "Der Hauptgläubiger, eine englische Privatbank, meint, ich schulde ihnen mehr als doppelt so viel, aufgrund von 25 Prozent Zinsen, die sie auf diese Schuld aufgerechnet haben. Das ist weder rechtskräftig noch rechtswirksam", so Becker. Aus diesem Grund konnte man sich bisher noch nicht vor Gericht einigen
Neben all den finanziellen Problemen läuft es auch in der Liebe nicht mehr rund: Bereits am 29. Mai 2018 gaben Boris und Lilly das Ende ihrer Ehe bekannt. Kennengelernt hatten sich der Ex-Tennis-Star und das ehemalige Model 2005 in Miami
Im Jahr 2009 gaben sich die beiden schließlich im schweizerischen St. Moritz das Ja-Wort. Es war Beckers zweite Hochzeit nach der Ehe mit Schauspielerin und Schmuckdesignerin Barbara Becker. Mit ihr war er zwischen 1993 und 2001 verheiratet
Die Trennung von seiner zweiten Frau erfolgte "einvernehmlich und freundschaftlich" wie Beckers Anwalt Moser SPORT1 auf Nachfrage bestätigte. Am wichtigsten sei den beiden nun das Wohlergehen des gemeinsamen Sohnes Amadeus
Boris Becker: Diplomatenpass, Insolvenzverfahren und Ehe-Aus
Als Tennis-Legende verzückte Boris Becker einst Fans und Fachpublikum. Als TV-Experte bei den Grand-Slam-Turnieren und "Head of Mens Tennis" beim Deutschen Tennis-Bund ist er angesehen und erfolgreich. Allerdings vergeht zurzeit kaum ein Tag, an dem er nicht auch aus anderen Gründen in den Schlagzeilen steht
@SPORT1-Grafik: Getty Images // twitter.com/TheBorisBecker