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Williams steht zum Verkauf - Der Niedergang eines Formel-1-Giganten

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Eine Formel 1 ohne Williams? Eigentlich undenkbar. Seit 1977 ist der britische Rennstall Teil der Motorsport-Königklasse - und das über viele Jahre äußerst erfolgreich. Doch seit einiger Zeit kann Williams nicht mehr überzeugen und schwächelt sportlich und finanziell an allen Ecken und Enden
Ende Mai gab das Unternehmen in Frankfurt/Main nun bekannt, dass es wegen erheblicher finanzieller Verluste zum Verkauf stehe - sogar ein Komplettverkauf ist möglich. Es wäre das traurige Ende eines ehemaligen Weltmeisterteams. SPORT1 zeigt Aufstieg und Niedergang eines Formel-1-Giganten
Frank Williams fängt ganz klein an. Er wächst in einem Kinderheim auf und schlägt sich als Tankwart und später als Truckfahrer durch. Sein Traum ist es, Rennfahrer zu werden. Doch er muss bald erkennen, dass sein Talent nicht besonders groß ist
Alternativ handelt der Brite mit Rennwagen und steigt 1969 mit einem gebrauchten Brabham in die Formel 1 ein. Das Engagement endet in einer Tragödie. Williams bester Freund Piers Courage kommt am 21. Juni 1970 beim Großen Preis von Holland in einem von Williams gemeldeten de Tomaso ums Leben
Knapp sechs Jahre später ist Williams zahlungsunfähig. Aber er will nicht aufgeben und überzeugt arabische Geldgeber, ihn zu unterstützen - der Beginn des Aufstiegs des Williams-Teams
1980 feiert Williams den bis heute größten Erfolg: Das Team stellt mit Alan Jones den F1-Weltmeister und gewinnt zudem die Konstrukteurs-Weltmeisterschaft. Der britische Rennstall schafft es auch in den folgenden Jahren, sich in der Königsklasse des Motorsports zu etablieren
1981 folgt erneut die Konstrukteurs-Weltmeisterschaft, ein Jahr später gewinnt Keke Rosberg, der für den zurückgetretenen Jones unter Vertrag genommen wurde, die Fahrer-WM - mit einem einzigen GP-Sieg
1986 ereilt ein Schicksalsschlag den britischen Rennstall. Williams kommt mit einem Mietwagen von der Straße ab, das Auto überschlägt sich mehrmals. Die Folge: Der Unternehmer ist querschnittsgelähmt und fortan an den Rollstuhl gefesselt
Nach seiner Genesung übernimmt er wieder die Chefrolle, Williams entwickelt sich bis Ende der 90er zu einem der erfolgreichsten Rennställe der Formel 1. Zwischen dem Jahr von Williams' Unfall und 1997 heimst das Traditionsteam sieben Mal die Konstrukteurs-Weltmeisterschaft ein. Fahrergrößen wie Nelson Piquet, Alain Prost und Ayrton Senna sitzen hinterm Steuer
Selbst Sennas tödlicher Unfall beim Großen Preis von San Marino 1994 kann die Erfolgsgeschichte nicht bremsen. Der dreimalige Weltmeister kommt in einer Kurve von der Strecke ab und rast in eine Betonmauer. Vier Stunden später stirbt Senna in einer Klinik in Bologna
Nach dem letzten Titel in der Fahrerwertung von Jacques Villeneuve und dem Double 1997 beginnt der Williams-Stern langsam zu sinken. Die großen Erfolge bleiben in den darauffolgenden Jahren aus
1998 und 1999 muss Williams auf die Unterstützung von Renault verzichten und fährt stattdessen mit Motoren, die den Namen Mecachrome beziehungsweise Supertec tragen. Einzelne Podestplätze stellen die Höhepunkte der schwierigen Phase dar
Gerade rechtzeitig schließt sich das Williams-Team 2000 mit BMW zusammen. Nach Platz drei in der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft sollen in den folgenden Jahren wieder Titel her. Auf Ralf Schumacher und Juan Pablo Montoya liegen große Hoffnungen
Doch es läuft nicht so, wie man es sich bei Williams vorgestellt hatte. Große Erfolge bleiben weiterhin aus. Nachdem auch die Saison 2005 sieglos zu Ende geht, beendet man die Zusammenarbeit mit BMW und wechselt auf Kundenmotoren von Cosworth, für die man eine hohe Summe zahlen muss
Auch mit dem japanischen Motorenhersteller Toyota geht es 2007 weiter bergab. Nico Rosberg fährt mit elf WM-Punkten und dem 8. WM-Rang das schlechteste Ergebnis seit 1978 ein
Der Familien-Rennstall befindet sich in einer Identitätskrise, es stehen schwierige Jahre bevor. Umfassende Veränderungen im Jahr 2011 sollen die Wende bringen, allen voran der Rücktritt von Sam Michael als Technischer Direktor
2012 gelingt Pastor Maldonado auch völlig überraschend der erste Williams-Sieg seit 2004, doch am Ende der Saison reicht es doch nur zu Rang acht. Im Jahr darauf läuft es sogar noch schlechter
2018 ist Williams am (vorläufigen) Tiefpunkt angelangt und präsentiert sich als schwächstes Team des Starterfelds. In der gesamten Saison gibt es nur drei Platzierungen in den Punkterängen, am Ende stehen sieben Punkte zu Buche
2019 sitzen George Russell und Robert Kubica, der sein Formel-1-Comeback feiert, im Cockpit. Die beiden sollten Williams zu neuem Schwung verhelfen
Doch auch sie holen in der gesamten Saison nur einen einzigen Punkt durch Kubica, damit ist das Team mit Abstand Letzter der Team-WM. Williams hat erhebliche Geldprobleme und geht auf dem Zahnfleisch. Im Sommer 2019 tauchen erstmals Gerüchte über die Übernahme eines russischen Milliardärs auf
Es wäre eine Schmach für Claire Williams (M.), die die Geschicke des neunmaligen Konstrukteurs-Weltmeisters lenkt, seit ihr Vater sich größtenteils aus den Geschäften zurückhält. Im Mai 2020 verkündete die börsennotierte Williams Grand Prix Holding PLC dann endgültig, dass man einen Käufer suche
Möglich seien der Verkauf eines Mindestanteils wie auch der Komplettverkauf. Konkrete Gespräche mit möglichen Interessenten habe es noch nicht gegeben. Es seien lediglich erste informelle Gespräche mit potenziellen Investoren geführt worden. Außerdem trennt sich das Team mit sofortiger Wirkung von Hauptsponsor ROKiT
Die Teilnahme an der Saison 2020 sei durch die neue Entwicklung nicht gefährdet, heißt es weiter, es handele sich vielmehr um einen "richtigen und besonnenen Schritt, um Zeit zum Nachdenken zu gewinnen". Für Williams fahren das britische Toptalent George Russell und der Kanadier Nicholas Latifi
Williams steht zum Verkauf - Der Niedergang eines Formel-1-Giganten
Eine Formel 1 ohne Williams? Eigentlich undenkbar. Seit 1977 ist der britische Rennstall Teil der Motorsport-Königklasse - und das über viele Jahre äußerst erfolgreich. Doch seit einiger Zeit kann Williams nicht mehr überzeugen und schwächelt sportlich und finanziell an allen Ecken und Enden
@Getty Images