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Tennis-Legenden als Super-Trainer: Boris Becker, Ivan Lendl, Andre Agassi und Co.

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Es ist das Ende eines Missverständnisses: Tennis-Legende Ivan Lendl ist nicht mehr Trainer von Alexander Zverev. Erst zu den US Open 2018 hatte die Kooperation begonnen, nun jedoch werfen sich beide Seiten gegenseitig vor, nicht richtig bei der Sache gewesen zu sein
Zverev kritisiert Lendl, sich zu sehr mit Golf spielen und seinem kleinen Hund beschäftigt zu haben - Lendl wiederum ärgert sich über Zverevs schwelenden Rechtsstreit mit dessen früheren Manager Patricio Apey. Die Zusammenarbeit zwischen Legende Lendl und Mega-Talent Zverev ist gescheitert
Dabei war Lendls Visitenkarte eindrucksvoll: Als Spieler führte er die Weltrangliste 270 Wochen lang an, gewann 94 Titel, darunter acht Grand-Slam-Turniere. Aber auch als Trainer hat Lendl sich schon hervorgetan
Der in der früheren Tschechoslowakei geborene Lendl, mittlerweile US-Staatsbürger, führte den Briten Andy Murray zu dessen größten Erfolgen: zwei Wimbledon-Siege, drei weitere Grand-Slam-Siege, zweimal Olympia-Gold, die ATP-Finals 2016, Platz 1 der Weltrangliste
Lendl ist nicht die einzige Tennis-Legende, die später Trainer wurde. SPORT1 zeigt die Zweitkarrieren der Stars von einst - erfolgreiche und weniger erfolgreiche
BORIS BECKER: Seine Erfolge als Spieler sind unbestritten. Später war er als Davis-Cup-Teamchef weniger erfolgreich, fand dann aber Ende 2013 eine neue Berufung
Als Trainer von Novak Djokovic hatte Becker durchschlagenden Erfolg, führte den Serben zu sechs Grand-Slam-Titeln und zur Rückkehr auf Platz 1 in der Weltrangliste
Djokovic betonte immer wieder, dass ihm Becker vor allem mental sehr viel half. Auch die Last durch Aufmerksamkeit und Druck der Öffentlichkeit ließ sich mit einem so großen Namen an seiner Seite besser schultern. 2016 beendeten Djokovic und Becker dennoch die Zusammenarbeit
Aber trotz der Trennung haben die beiden immer noch ein ausgezeichnetes Verhältnis. Nach Djokovics Triumph in Wimbledon 2019 war Becker einer der ersten Gratulanten
Im Mai 2017 befand Djokovic: Ein neuer Reiz muss her. Er engagierte einen berühmten Ex-Rivalen Beckers: ANDRE AGASSI
Der Ehemann von Steffi Graf war als Spieler noch erfolgreicher als Becker: Er holte acht Grand-Slam-Titel, regierte 101 Wochen als Nummer 1 und blieb auch wegen seiner bunten Outfits und seiner Haarpracht in Erinnerung (wobei er später zugab: Er trug Toupet)
Als Trainer konnte Agassi Djokovic jedoch nicht weiterhelfen. Nach zehn Monaten gab Agassi die Trennung bekannt, es hätte zu viele Meinungsverschiedenheiten gegeben
Auch Agassis Nachfolger ist kein Unbekannter. Kurz vor Wimbledon 2019 überraschte Titelverteidiger Djokovic die Öffentlichkeit damit, dass künftig GORAN IVANISEVIC die Verantwortung an seiner Seite übernimmt
Anscheinend eine richtige Wahl - immerhin holte das Duo Djokovic/Ivanisevic direkt in Wimbledon seinen ersten Grand Slam-Erfolg. Im Finale wurde niemand Geringeres als Roger Federer bezwungen
Das war allerdings nicht Ivanisevics erstes Engagement als Coach
Im September 2013 wurde er Coach seines Landsmanns Marin Cilic und richtete ihn nach vielen Problemen und einer Dopingsperre wieder auf. 2014 gewann Cilic die US Open
Ende 2016 folgte die Trennung, aber Ivanisevic hat offensichtlich Blut geleckt. Im Jahr 2018 begann er eine Zusammenarbeit auf Probe mit Milos Raonic. Die wurde aber Anfang 2019 wieder beendet
Raonic hatte schon mehrere Granden von einst an seiner Seite, der berühmteste: JOHN MCENROE. Die 2016 gestartete Kooperation hielt allerdings nur wenige Monate
Danach versuchte sich Fabrice Santoro als Trainer. Die ehemalige Nummer 17 der Welt war als Magier unter den Tennisspielern bekannt
Auch McEnroes alter Rivale JIMMY CONNORS hatte als Ratgeber für die neue Generation weniger Glück
Andy Roddick (l.) wurde vom Ex-Star gecoacht, bis es 2008 zur Trennung kam. Danach gab er noch ein Intermezzo als Coach von Maria Scharapowa
Auch diese beiden ehemaligen Stars landeten im Trainergeschäft: MICHAEL CHANG und STEFAN EDBERG
Im Dezember 2013 wurde die frühere Nummer 1 Edberg "Supercoach" von Roger Federer. Als wichtigster Effekt galt sein Ratschlag, aggressiver zu spielen, häufiger ans Netz zu gehen - Serve-and-Volley-Spezialist Edberg erzielte damit einst große Erfolge
So erfolgreich wie Lendl und Becker war Edberg allerdings nicht, ein Grand-Slam-Sieg gelang Federer unter der Co-Regie des Schweden nicht. Ende 2015 zog Edberg sich zurück, um mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen
Der US-Amerikaner MICHAEL CHANG wurde bei den French Open 1989 im Alter von nur 17 Jahren zum jüngsten Grand-Slam-Sieger aller Zeiten - vor allem seine Energieleistung im Achtelfinale gegen Lendl blieb ewig in Erinnerung
Anfang 2014 wurde Chang Trainer des Japaners Kei Nishikori, der bei den US Open am Ende desselben Jahres zum ersten Mal in ein Grand-Slam-Finale einzog
Die Zusammenarbeit hält bis heute an. Zwar gelang Nishikori unter Changs Regie immer noch nicht der ersehnte Grand Slam-Erfolg, aber immerhin stand er zwischenzeitlich auf Rang vier der Weltrangliste. Nun soll Chang den Japaner zur Heim-Olympiade 2020 in Tokio fit machen
Übrigens verbindet Chang und Roger Federer eine Freundschaft. "Unsere Kinder treffen sich manchmal und spielen zusammen", verriet der Schweizer
Ebenfalls nicht viele Spuren als Trainer hinterließ der Schwede MATS WILANDER, als Spieler in den Achtzigern siebenmaliger Grand-Slam-Sieger
Wilander suchte sich 2001 für seinen ersten Job mit Marat Safin aber auch nicht gerade den pflegeleichtesten Profi der Tour aus. Später coachte er Tatiana Golovin, Paul-Henri Mathieu und Madison Keys - der skurrile Tiefpunkt
Wilander und die US-Amerikanerin trennten sich 2016 nach nur acht Tagen Zusammenarbeit, ohne Angabe von Gründen. Deutlich nachhaltiger: Wilanders Tätigkeit als schwedischer Davis-Cup-Teamchef zwischen 2003 und 2009
Es muss nicht immer der ganz große Name sein: Aus Sicht von Stanislas Wawrinka (l.) hat sich der Schwede MAGNUS NORMAN als Trainer bewährt. Die ehemalige Nummer 2 der Welt übernahm den Job Ende 2013 - und gab Wawrinka den letzten Schliff
Wawrinka gewann schon Anfang 2014 die Australian Open, in den kommenden beiden Jahren folgten zwei weitere Grand-Slam-Titel. Norman wurde dafür als bester Trainer der ATP-Tour geehrt
Ein weiterer nicht ganz so legendärer Ex-Spieler, der als Trainer die goldrichtige Wahl für einen Topstar war: CARLOS MOYA. Der Gewinner der French Open 1998 war im Jahr darauf für kurze Zeit die Nummer 1 der Welt
Anfang 2016 löste Moya Rafael Nadals Onkel Toni als dessen Trainer ab und trug dazu bei, dass Nadal nach zwei Jahren ohne Grand-Slam-Titel wieder große Siege einfuhr: bei den French Open 2017 und 2018 sowie bei den US Open 2017
Was Nadal an Moya hat, wusste er schon vorher: Moya stand dem jungen Nadal einst als Teamkollege im Davis Cup zur Seite, später war er auch Teamchef der spanischen Mannschaft
Nicht nur männliche Tennis-Legenden haben als Trainer eine neue Herausforderung gesucht: Auch die einstige Wimbledon-Seriensiegerin MARTINA NAVRATILOVA fand Ende 2014 den Weg ins Geschäft
Navratilova stieg in den Betreuerstab der Polin Agnieszka Radwanska ein - mit dem Ziel, sie zu ihrem ersten Grand-Slam-Titel zu führen
Die vermeintliche Traumkombination hielt allerdings nur wenige Monate. Radwanska zog im Mai 2015 einen Schlussstrich. Sie hielt fest, dass Navratilova als Trainerin "nicht zu hundert Prozent" engagiert gewesen sei
Aus ähnlichen Gründen gestaltete sich auch die Kooperation von Madison Keys mit der früheren Weltklasse-Spielerin LINDSEY DAVENPORT schwierig. Davenport und Keys trennten sich trotz ihres exzellenten Verhältnis mittlerweile mehrfach wegen Davenports familiären Verpflichtungen als vierfache Mutter plus Job als TV-Experte
Auch JUSTINE HENIN, Seriensiegerin bei den French Open 2005 bis 2007, nahm Anfang 2016 ein Mitglied der neuen Generation unter ihre Fittiche
Henin beriet - ohne viel öffentliches Aufhebens darum zu machen - die Ukrainerin Elina Svitolina. Mit etwas Hilfe der belgischen Legende näherte sich Svitolina schrittweise der Weltspitze an...
...und krönte ihren Aufstieg Ende 2018 mit dem Gewinn der WTA-Finals 2018. Henin, die auch Leiterin einer Tennis-Akademie ist, war da zwar schon nicht mehr an ihrer Seite, den Grundstein hat sie allerdings mitgelegt
Aus kuriosen Gründen endete 2014 nach ähnlich kurzer Zeit die Zusammenarbeit von Sabine Lisicki mit der früheren Weltranglisten-Ersten MARTINA HINGIS
Hingis war vom Trainerjob allein nicht ausgefüllt, spielte auch als Doppelpartnerin Lisickis - und fand so großen Gefallen daran, dass sie nur noch Doppel spielen wollte. Erst Ende 2017 beendete Hingis ihre Karriere mit 37 Jahren endgültig
Besondere Wege ging auch AMELIE MAURESMO, Wimbledon-Siegerin 2006 und 39 Wochen lang Nummer 1 der Damen-Weltrangliste und später Teamchefin des französischen Fed-Cup-Teams
Andy Murray stellte Mauresmo im Frühjahr 2014 als neue Trainerin vor - als erster männlicher Weltklasse-Spieler, der einer weiblichen Ex-Weltklassespielerin vertraute
Mauresmo blieb zwei Jahre lang Murrays Trainerin, im Mai 2016 trennten sich die beiden einvernehmlich und erzählten nur Gutes von der gemeinsamen Zeit. Dass Mauresmo in der Zwischenzeit Mutter geworden war und weniger Zeit hatte, mit Murray zu reisen, schien eine Rolle bei der Trennung zu spielen
Tennis-Legenden als Super-Trainer: Boris Becker, Ivan Lendl, Andre Agassi und Co.
Es ist das Ende eines Missverständnisses: Tennis-Legende Ivan Lendl ist nicht mehr Trainer von Alexander Zverev. Erst zu den US Open 2018 hatte die Kooperation begonnen, nun jedoch werfen sich beide Seiten gegenseitig vor, nicht richtig bei der Sache gewesen zu sein
@Getty Images