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Tour de France: Legendäre Momente am Mont Ventoux

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"Kahler Riese", "heiliger Berg": Kaum ein Anstieg in der Geschichte der Tour de France ist mythischer als der Mont Ventoux. Bei der 103. Auflage der Frankreich-Rundfahrt hätte der Berg in der Provence zum 16. Mal erklommen werden sollen - doch da am Nationalfeiertag Böen von bis zu 100 km/h vorausgesagt werden, entscheiden sich die Veranstalter, die 12. Etappe zu kürzen und das Ziel sechs Kilometer nach unten zu verlegen
Sicherheit geht vor - aber die Fans dürften dennoch enttäuscht sein, gehört der Mont Ventoux doch neben dem Col du Galibier, dem in diesem Jahr bereits überquerten Col du Tourmalet und L’Alpe d’Huez zu den vier "heiligen" Bergen der Tour de France. SPORT1 blickt auf die bedeutenden Momente am Ventoux zurück
1967: Tom Simpson war kreidebleich, sein Körper gezeichnet von Dehydrierung und der Anstrengung in der Gluthitze der Provence. Der Asphalt hatte 54 Grad Celsius, als sich der Brite am 13. Juli auf den Weg zum Mont Ventoux machte. Wenige Minuten später war Tom Simpson tot. Im Anstieg fuhr Simpson Schlangenlinien, fiel anschließend auf die Straße. Der 29-Jährige rappelte sich nochmals auf, kollabierte dann aber erneut
Pierre Dumas, Tour-Arzt und zufällig am Ort des Geschehens, leitete umgehend, aber vergeblich Wiederbelebungs-Maßnahmen ein. Später stellte sich heraus, dass der völlig dehydrierte Simpson auch Amphetamine und Alkohol im Blut hatte. Sogar in der Brusttasche seines Trikots wurden Tabletten gefunden
An der Stelle, an der das Leben von Tom Simpson sein tragisches Ende fand, erinnert ein Gedenkstein den Briten
1970: Erst drei Jahre nach Simpsons Tod wagten die Organisatoren der Tour die Rückkehr zum "Heiligen Berg". Für den großen Eddy Merckx war es die Premiere am Ventoux - und sie sollte ihm schmerzhaft in Erinnerung bleiben. Der Titelverteidiger schleppte sich siegreich ins Ziel und legte den Grundstein für seinen zweiten von insgesamt fünf Tour-Gesamtsiegen
Doch der "Kannibale", seinen Rivalen zumeist gnadenlos überlegen, wurde selbst in die Knie gezwungen. Merckx sank im Ziel entkräftet zu Boden. Gezeichnet von einem Schwächeanfall wurde der Belgier in ein Sauerstoffzelt gebracht, wo er sich nur langsam von den Strapazen erholte
2000: Inmitten der dunklen Epo-Epoche eskalierte der Krieg der Egos. Marco Pantani, Sieger der Skandal-Tour 1998, und Nachfolger Lance Armstrong im Gelben Trikot lieferten sich ein umkämpftes Duell um den Sieg am Ventoux. Jan Ullrich war nach einer Pantani-Attacke abgehängt worden, die Entscheidung um den Etappensieg fiel zwischen Armstrong und Pantani
Armstrong war der stärkere, überließ dem "Piraten" in all seiner Arroganz, die ihn über ein Jahrzehnt seine Doping-Praktiken leugnen ließ, aber gönnerhaft den Sieg. Pantani reagierte erbost, es folgt eine tagelange öffentliche Auseinandersetzung, die die ohnehin komplizierte Beziehung der beiden Superstars fortan belasten sollte
2009: Am Ventoux ging auch der Stern eines jungen deutschen Radprofis auf. Den 24-jährigen Tony Martin trennten noch zwei Jahre vom ersten WM-Titel im Zeitfahren, noch war er ein weitgehend Unbekannter. Zwar hatte Martin bei seiner Tour-Premiere schon zuvor aufhorchen lassen, doch erst auf der Königsetappe zum Mont Ventoux wuchs er über sich hinaus
Martin wurde nur knapp hinter dem Spanier Juan Manuel Gárate Zweiter. Auch am Donnerstag wird Martin den "Kahlen Riesen" erklimmen. Eine erneute Spitzenplatzierung ist aber nicht zu erwarten
2013: Bei der 100. Tour de France durfte der Mont Ventoux nicht fehlen. Die besten Erinnerungen hat zweifelsohne Christopher Froome, der auf dem Weg zu seinem ersten Tour-Sieg hier für die Vorentscheidung sorgte
Noch im Vorjahr hatte der gebürtige Kenianer Bradley Wiggins über die Alpen und Pyrenäen zu dessen Tour-Triumph eskortiert, nun schlug seine Stunde. Mit einer denkwürdigen Attacke ließ Froome seine Gegner stehen. Auch Nairo Quintana, der Zweiter wird, kann nur kurz mithalten. Am Donnerstag werden sich beide erneut am Ventoux duellieren
2016: Wieder stand Froome im Mittelpunkt, dieses Mal wurde es aber dramatisch. Direkt vor der dreiköpfigen Gruppe um Froome kam ein Motorrad abrupt zum Stehen, nachdem es förmlich in einer Wand von disziplinlosen Fans stecken geblieben war. Während Richie Porte und Bauke Mollema recht schnell weiter fahren konnten...
...musste Froome in seinen Radschuhen bergaufsprinten, während seine Rivalen vorbeizogen. Mit dem Ersatzrad, das er nach quälend langer Zeit erhielt, kam er nicht zurecht, weswegen Froome noch einmal das Rad tauschen muss
Der Brite verlor mehr als eine Minute auf die Konkurrenten und provisorisch auch das Gelbe Trikot. Die Jury entschied jedoch, die Abstände zum Zeitpunkt des Sturzes zu werten. Happy End für Froome
Tour de France: Legendäre Momente am Mont Ventoux
"Kahler Riese", "heiliger Berg": Kaum ein Anstieg in der Geschichte der Tour de France ist mythischer als der Mont Ventoux. Bei der 103. Auflage der Frankreich-Rundfahrt hätte der Berg in der Provence zum 16. Mal erklommen werden sollen - doch da am Nationalfeiertag Böen von bis zu 100 km/h vorausgesagt werden, entscheiden sich die Veranstalter, die 12. Etappe zu kürzen und das Ziel sechs Kilometer nach unten zu verlegen
@dpa Picture-Alliance