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Politische Statements und Skandale im Fußball

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Fußball und Politik sind strikt zu trennen, sagen UEFA und FIFA ausdrücklich. Nach dem militärischen Gruß türkischer Spieler in der EM-Qualifikation hat der europäische Fußball-Verband ein Verfahren eingeleitet. Es ist nicht das erste Mal, dass politische Botschaften aus dem Stadion gesendet werden
Die türkische Auswahl hat beim EM-Qualifikationsspiel in Frankreich mit dem erneuten Militärgruß für Aufsehen gesorgt. Nach dem Kopfballtreffer von Düsseldorfs Kaan Ayhan zum 1:1-Endstand in der 82. Minute stellten sich wie schon beim 1:0 gegen Albanien am vergangenen Freitag mehrere Spieler am Spielfeldrand auf und salutierten in Richtung Tribüne
Nach dem Spiel gegen Albanien hatten die türkischen Spieler erklärt, sie hätten damit auf den einige Tage zuvor gestarteten Angriff der türkischen Truppen auf die Kurdengebiete in Syrien aufmerksam machen und ihre Unterstützung zeigen wollen. Die UEFA kündigte im Anschluss an, eine Untersuchung der Geschehnisse einleiten zu wollen
"Ich persönlich habe die Geste nicht gesehen. Nichtsdestotrotz könnte es eine Provokation gewesen sein. Verbietet die UEFA-Verordnung politische und religiöse Botschaften? Ja, und ich kann garantieren, dass wir die Situation untersuchen werden", erklärte Philip Townsend im Namen des Europäischen Fußballverbandes
Die UEFA-Untersuchungen bekommen mit dem Vorfall in Paris nun neues Material, denn die Türken sind nach dem ersten Vorfall beim EM-Quali-Spiel gegen Albanien nun ein "Wiederholungstäter"
Der in Wetzlar geborene Cenk Tosun hatte das entsprechende Bild bei Instagram gepostet und bekam dafür unter anderem von zwei deutschen Nationalspielern ein "Like", was zu hitzigen Diskussionen führte
Die DFB-Stars Ilkay Gündogan und Emre Can hatten Tosuns Instagram-Post, auf dem folgendes zu lesen war: "Für unsere Nation, vor allem für jene, die für unser Land ihr Leben riskieren" mit einem "Like" versehen, diesen später aber wieder zurückgezogen und sich nach dem 3:0-Sieg in Estland dazu auch geäußert
"Ich dachte, ich like ein Foto eines Kumpels, mit dem ich teilweise in Manchester zusammengelebt habe, der eine schwierige Zeit beim FC Everton hat, kaum spielt, dann ein Tor schießt und seine Mannschaft zu einem Sieg führt," sagte Gündogan. "Ich kann nochmal betonen, dass da keine politische Absicht dahinter war"
Und Can sagte über sein Instagram-"Like": "Es war vor zwei, drei Tagen. Es war einfach sportlich gemeint. Es hatte nichts mit Politik zu tun, ich bin gegen jegliche Art von Krieg und bete selbst jeden Tag, dass auf der Welt Frieden herrscht." Beide gaben an, mit ihrer Reaktion auf das Bild keinerlei politische Stellungnahme abgegeben zu haben
Der FC St. Pauli hat drastischer reagiert als der DFB und Cenk Sahin offiziell freigestellt. Der Profi hatte auf Instagram die Militäraktion der Türkei in Syrien gut geheißen und damit für viel Wirbel gesorgt. Auf seinem Insta-Account schrieb er in türkischer Sprache: "Wir sind an der Seite unseres heldenhaften Militärs und der Armeen. Unsere Gebete sind mit euch! " Angehängt war dabei auch der Name der türkischen Militäroperation
Fans der Kiezkicker forderten nach Sahins Instagram-Posting seinen sofortigen Rausschmiss – und St. Pauli reagierte mit der Freistellung. Zur Entscheidungsfindung hätten vor allem die wiederholte Missachtung der Werte des Vereins sowie der Schutz des Spielers beigetragen, ließ der Zweitligist nach erneuten Gesprächen zwischen Verantwortlichen des Vereins und dem Spieler verlauten
Dass auch die UEFA durchgreifen kann, zeigte sie in der Vergangenheit, als beim EM-Quali-Spiel zwischen Serbien und Albanien eine Drohne im Belgrader Stadion aufgetaucht war: In der 42. Minuten schwebte beim Stand von 0:0 über das Spielfeld eine Drohne, an der eine Flagge mit den Umrissen eines großalbanischen Reiches hing
Zudem waren der Schriftzug "autochthonous" ("einheimisch"), sowie die Porträts der ehemaligen albanischen Nationalistenführer Isa Boletini und Ismail Qemali zu sehen. Qemali hatte am 28. November 1912 die albanische Unabhängigkeit ausgerufen. Dieses Datum war ebenfalls auf der Flagge
Der ehemalige Freiburger Stefan Mitrovic riss daraufhin die Flagge herunter, doch albanische Nationalspieler entrissen sie ihm sofort wieder. Es kam zu einer Prügelei, bei der Ersatzspieler beider Teams mitmischten. Auch einige serbische Zuschauer stürmten auf den Rasen und schlugen auf die albanischen Spieler ein. Einen Platzsturm konnte die Polizei gerade noch verhindern. Schiedsrichter Martin Atkinson unterbrach die Partie …
…die Albaner flüchteten in die Kabine und weigerten sich danach, weiterzuspielen. Daraufhin brach Atkinson das Spiel ab. Das Spiel war von der UEFA nachträglich mit 3:0 für Serbien gewertet, die drei Punkte den Gastgebern gleichzeitig aber wieder abgezogen worden. Beide Verbände wurden außerdem mit einer Geldstrafe von jeweils 100.000 Euro belegt. Serbien musste zwei Heimspiele ohne Zuschauer austragen
In den meisten Fällen wurden bisher Geldstrafen verhängt. So auch beim Ex-Gladbacher Granit Xhaka und Ex-Bayern-Profi Xherdan Shaqiri während der WM 2018. Die beiden Schweizer Nationalspieler mit kosovarischen Wurzeln hatten beim Torjubel gegen Serbien mit ihren Händen den albanischen Doppelkopfadler imitiert
Das Europa-League-Spiel zwischen dem luxemburgischen Klub F91 Düdelingen und FK Karabach Agdam aus Aserbaidschan wurde jüngst für 25 Minuten unterbrochen, weil eine Drohne, an der eine armenische Fahne befestigt war, über dem Platz kreiste. Es ging um einen seit Jahren schwelenden politischen Konflikt, der überhaupt nichts mit Fußball zu tun hat
Armenien und Aserbaidschan befinden sich seit Jahren in einem festgefahrenen Konflikt um die Kaukasusregion Bergkarabach, die völkerrechtlich zu Aserbaidschan gehört, aber seit einem Krieg im Zuge des Zerfalls der Sowjetunion mit russischer Hilfe von Armenien kontrolliert wird. "Wir entschuldigen uns bei unseren Gästen aus Aserbaidschan. Wir haben mit dieser Provokation nichts zu tun. Wir werden das klären", erklärte Düdelingen nach der 1:4-Niederlage gegen Agdam
Nach dem Spiel posierte die Mannschaft aus Karabach demonstrativ mit einer großen aserbaidschanischen Fahne vor dem Fan-Block. Dieses Foto twitterte der Klub am Tag danach und schrieb unter den Post: "Guten Morgen, liebe Karabach-Familie." Den Tweet schlossen drei aserbaidschanische Fahnen ab
Wegen desselben Konflikts sah sich der ehemalige Dortmunder Henrikh Mkhitaryan dazu gezwungen, auf das Europa-League-Finale seines FC Arsenal gegen den FC Chelsea zu verzichten. Der Grund: Mkhitaryan ist Armenier und der Austragungsort des Endspiels 2019 war Baku, die Hauptstadt Aserbaidschans. Es gibt aber auch politische Statements, die positiv zu werten sind, wie das von Hertha BSC
Der Bundesliga-Klub ging aus Solidarität mit amerikanischen Sportlern, die sich aus Protest gegen Rassismus und Polizeigewalt bei der Hymne vor den Spielen niederknien, vor der Partie gegen den FC Schalke 04 ebenfalls in die Knie – und setzte damit ein großes, öffentlichkeitswirksames Zeichen. Damit tat es die Hertha dem früheren San Francisco 49ers Quarterback Colin Kaepernick gleich, der seitdem ohne NFL-Engagement ist
Die Berliner wurden übrigens dafür auch nicht bestraft. Der DFB teilte mit: "Wir sehen die Geste als allgemeines Eintreten für die Wahrung der Menschenrechte." Und die deutsche Fußball-Liga twitterte: "Großartige und wichtige Geste." Was erlaubt und was verboten ist, bleibt eine Grauzone, wie sich auch bei den Regularien der FIFA in einem weiteren Fall zeigt
Auf dem Platz dürfen sich Spieler laut dem Fußball-Weltverband nicht offen politisch positionieren. Denn FIFA duldet weder politische noch persönliche Botschaften. 2007 wurde die Fifa-Regel 4 "Ausrüstung der Spieler" verfasst: Demnach dürfen Spieler keine Unterwäsche, T-Shirts oder dergleichen mit politischen, religiösen oder persönlichen Botschaften, Bildern oder Werbeaufschriften mit Ausnahme des Herstellerlogos zur Schau stellen. Es gibt aber Ausnahmen, wie der Fall Julian Draxler beweist …
Beim Freundschaftsspiel in Dänemark (1:1) trug Draxler eine Spielführer-Binde in Regenbogenfarben, da sich der DFB an einer Aktion des dänischen Fußballverbandes gegen Homophobie beteiligte. Bei einem FIFA-Turnier wäre das undenkbar. Der DFB gab nach dem Remis folgendes Statement ab: "Diese Aktion haben wir selbstverständlich unterstützt, weil sie zu unseren Werten passt."
Es gab seitens der FIFA und UEFA auch keine Sanktionen, da beide großen Fußball-Verbände es bei Freundschaftsspielen und nationalen Wettbewerben den nationalen Verbänden überlassen, wie sie auf politische Statements der Spieler reagieren. In der Bundesliga gab es auch zwei Vorfälle …
Ende 2014 widmete Anthony Ujah vom 1. FC Köln sein Bundesliga-Tor Eric Garner, einem dunkelhäutigen Amerikaner, der von einem weißen Polizisten erwürgt worden war. Auf dem T-Shirt des Nigerianers stand: "Eric Garner #cantbreathe #justice!"
Großes Aufsehen erregte auch der Schweizer Haris Seferovic, damals im Trikot von Eintracht Frankfurt, als er fast zur selben Zeit dem Gewaltopfer Tugçe gedachte. Auf seinem T-Shirt hatte er geschrieben: "Tugçe = Zivilcourage, Engel, Mut, Respekt." Der DFB wies danach darauf hin, dass die Spieler so etwas künftig zu unterlassen haben, doch …
… obwohl er damit gegen die FIFA-Statuten verstieß und in der Bundesliga religiöse und politische Botschaften grundsätzlich verboten sind, bestrafte der DFB weder Seferovic noch Ujah – stellte aber klar: Mehr Ausnahmen wird es künftig nicht geben
Politische Statements und Skandale im Fußball
Fußball und Politik sind strikt zu trennen, sagen UEFA und FIFA ausdrücklich. Nach dem militärischen Gruß türkischer Spieler in der EM-Qualifikation hat der europäische Fußball-Verband ein Verfahren eingeleitet. Es ist nicht das erste Mal, dass politische Botschaften aus dem Stadion gesendet werden
@Credit: SPORT1-Montage/Getty Images/Imago